Der Industriekonzern BASF will verstärkt auf erneuerbare Energien setzen und Entwicklung und Einsatz neuer CO2-freier Verfahren für die Herstellung von Chemikalien beschleunigen. Dabei steht unter anderem die CO2-freie Herstellung von Wasserstoff im Fokus. Entsprechende Aktivitäten sind Teil des jetzt vorgelegten Fahrplans zur Klimaneutralität, nachdem die CO2-Emissionen bis 2030 um ein Viertel verringert und dann bis 2050 auf ein Netto-Null-Niveau gesenkt werden sollen. Bis 2030 will der Ludwigshafener Konzern bis zu vier Mrd. € investieren.

Im Zentrum der langfristigen Umstellung hin zu Netto-Null-CO2-Emissionen ab 2050 steht laut BASF der Einsatz neuer Technologien, bei denen fossile Energieträger wie Erdgas durch elektrischen Strom aus erneuerbaren Quellen ersetzt werden. In einer ersten Phase geht es auch darum, bestehende Prozesse zu optimieren und schrittweise den Strombedarf auf erneuerbare Energien umzustellen. Hierzu strebt der Konzern auch Investitionen in Windenergieanlagen an, heißt es bei BASF.

Zu den wichtigsten neuen Technologien, die BASF derzeit entwickelt, zählen elektrisch betriebene Steamcracker für die Produktion von Basischemikalien wie Ethylen, Propylen oder Butadien. Ein weiterer wichtiger Einsatzstoff für viele chemische Herstellprozesse ist Wasserstoff. Zur CO2-freien Herstellung von Wasserstoff setze BASF parallel auf zwei Verfahren: die kommerziell verfügbare Wasser-Elektrolyse und die Methanpyrolyse, für die BASF eine neue Prozesstechnologie entwickelt hat.

BASF und Siemens wollen elektrische Wärmepumpen auf industriellen Maßstab bringen

Ein weiterer Hebel für eine höhere Energieeffizienz ist der Einsatz elektrischer Wärmepumpen, um aus Abwärme CO2-frei Dampf zu erzeugen. Ziel von BASF ist es, diese Technologie gemeinsam mit Siemens Energy stufenweise auf industriellen Maßstab zu bringen und für die Abwärmenutzung ganzer Standorte einzusetzen.

„BASF geht davon aus, dass durch die Umstellung auf klimaneutrale Produktionsverfahren der Strombedarf an großen Standorten wie dem Stammwerk in Ludwigshafen im kommenden Jahrzehnt stark ansteigen wird“, heißt es weiter. Ab etwa 2035 werde er voraussichtlich bei mehr als dem Dreifachen des heutigen Strombedarfs liegen.

Verlässliche Verfügbarkeit und wettbewerbsfähige Preise für Erneuerbare: „Beides aktuell nicht gegeben“

Voraussetzung für die Transformation der Chemieproduktion sei die „verlässliche Verfügbarkeit großer Mengen erneuerbaren Stroms zu wettbewerbsfähigen Preisen“, sagt Martin Brudermüller, Vorsitzender des Vorstands der BASF SE. Beides sei heute in Deutschland „nicht gegeben“. Deshalb beabsichtigt BASF, sich an Investitionen in Produktionsanlagen für erneuerbare Energien für den Eigenbedarf zu beteiligen. „Dafür sind auch regulatorische Rahmenbedingungen unerlässlich, die diese Transformation wirtschaftlich möglich machen“, so der BASF-Chef weiter.

BASF setze sich mit der Klimaneutralität im Jahr 2050 ein ambitioniertes Ziel, „weil das Unternehmen von der langfristigen strategischen Notwendigkeit sowie der technischen Machbarkeit überzeugt ist“. Gleichwohl seien die meisten neuen Technologien unter den aktuellen Rahmenbedingungen heute noch nicht wettbewerbsfähig. Da die Ablösung bestehender hocheffizienter Produktionsverfahren durch neue Anlagen sehr kapitalintensiv ist, bemüht sich BASF um Fördermittel im Rahmen europäischer und nationaler Programme wie Ipcei (Important Projects of Common European Interest).

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Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel sieht BASF auf dem richtigen Weg. (Bildquelle:
MUEEF/Heike Rost)

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) lobt das Engagement des Konzerns. Das größte Chemieunternehmen stelle ähnliche Reduktionsziele wie Deutschland und die EU vor und unterstütze damit den Klimaschutz, sagte Spiegel. „Gleichzeitig wächst der Bedarf an erneuerbaren Energien und die BASF legt einen Plan zur klimaneutralen Energieerzeugung vor.“ Wichtig sei nun, dass es nicht bei den Zielen bleibe, sondern dass diese durch die geplanten Maßnahmen und Projekte erreicht und die erneuerbaren Energien „bestmöglich“ im Land ausgebaut werden, so Spiegel weiter.

„Mit dem kürzlich fortgeschriebenen Klimaschutzkonzept wolle die Landesregierung gemeinsam mit den Kommunen, der Wirtschaft sowie Gesellschaft den Klimaschutz zum Erfolg führen. „Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien steht im Konzept die Klimaneutralität der Wirtschaft im Fokus: Sie soll fossile Energien stärker durch erneuerbare Energien, vor allem klimaneutralen Wasserstoff, ersetzen. Genau hier setzt die BASF erfreulicherweise teilweise an“, sagt Spiegel.

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