Auswirkungen der Corona-Krise auf die Energiewirtschaft zeichnen sich ab

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Symbolbild Energiewende Erneuerbare
Bildnachweis: Mattoff / stock.adobe.com

Erste weltweite Auswirkungen der Corona-Krise auf die Energiewirtschaft werden absehbar und betreffen Technologie-Lieferketten und -Installationen. Die Betreiber bestehender Stromerzeugungsanlagen müssen bereits mit Einbrüchen bei der Nachfrage und den Margen zurechtkommen. Zu dieser Einschätzung gelangt das internationale Beratungsunternehmen Wood Mackenzie (Woodmac), das nun wöchentliche Updates veröffentlichen will. Dem Unternehmen zufolge bestehen auch weiterhin erhebliche Abwärtsrisiken, falls die Eindämmung des Virus eine globale Rezession auslösen sollte.

Die Wertschöpfungsketten der einzelnen Technologien sind in unterschiedlichem Maße angebotsseitigen Engpässen und einer potenziellen Nachfrageerosion ausgesetzt. Bei der Windenergie zeichnet sich durch die Corona-Krise ein geringerer Zubau ab, entgegen früherer Prognosen von Woodmac wird der Zubau im Jahr 2020 voraussichtlich um 4,9 GW geringer ausfallen. Da in einigen Regionen aber noch ein Zubau stattfindet, rechnet Woodmac mit einer Neuinstallation von 73 GW weltweit.

Solarwechselrichter- und die Modulproduktion sinkt

Fabrikschließungen in Spanien, Italien, Malaysia und in Teilen der USA werden sich Woodmac zufolge auf die Solarwechselrichter- und die Modulproduktion auswirken. In den USA werden die Häfen wahrscheinlich offen bleiben. Die Bauarbeiten für Neuanlagen können ebenfalls wahrscheinlich fortgesetzt werden, allerdings könnte es unter anderem durch langsamere Genehmigungen zu Verzögerungen bei den Projekten kommen.

Batterie-Lieferkette kommt wieder in Gang

Die Batterie-Lieferkette wird sowohl in China als auch in Südkorea wieder in Gang gebracht, während die Automobilwerke in Europa und Nordamerika geschlossen werden oder sich auf medizinische Produktionsanlagen verlagern. Die Folgenabschätzung steht laut Woodmac noch am Anfang, da die Verkäufe von Elektrofahrzeugen bis Februar stark geblieben sind. Zudem hängen die kurzfristigen Projektausführungen sowie die Nachfrage nach Netzanwendungen von lokalen Strategien zur Eindämmung des Virus ab.

Einbruch der Nachfrage nach Speichern erwartet

Experten von IHS Markit erwarten aufgrund der absehbaren Rezession einen deutlichen Rückgang der Nachfrage nach Batteriezellen aus der Elektrofahrzeug- sowie der Heimspeicherindustrie, heißt es in einem Bericht des pv magazine. Privatkunden seien mit Quarantäne und Einkommensunsicherheit konfrontiert, in der Folge rechnet IHS Markit bei Heimspeichern mit einem Rückgang der jährlichen Neuinstallationen gegenüber 2019 um zehn bis 15 Prozent. Auch für gewerbliche und industrielle Speicherkunden stünden aktuell eher die Sicherung bestehender Einnahmen und Gewinne im Mittelpunkt als die Absicherung gegen künftig steigende Strompreise.

IHS Markit: Nachfragerückgang trifft Speicherbranche voraussichtlich härter als Produktionsstillstände

Der Nachfragerückgang werde die Branche härter treffen als die vorübergehenden Produktionsstillstände in vielen Ländern, prognostiziert IHS Markit. Nach einem starken ersten Quartal werde die durch die Pandemie ausgelöste Unsicherheit bereits im zweiten zu weniger Aufträgen für Batterielieferanten führen. Falls die Hersteller Lagerbestände abbauen müssten, könnten dadurch die Batteriezellen-Preise für stationäre Speichersysteme sinken.

Eine kurzfristige Krise hätte auf Umsätze mit Netzspeichern die geringsten Auswirkungen, so IHS Markit. Zwar könne es zu Projektverzögerungen von bis zu drei Monaten kommen, so dass einige Projekte erst im Folgejahr umsatzwirksam würden. Die meisten vertraglich vereinbarten und geplanten Projekte würden aber voraussichtlich umgesetzt. Erst bei einer länger andauernden Krise könnten die Folgen auch bei Großprojekten gravierender werden.

Regionale Auswirkungen abhängig von Corona-Maßnahmen

Auch die Auswirkungen auf die gesamte Energiewirtschaft hängen von der Länge der Corona-Krise und vor allem den Maßnahmen dagegen ab. In Europa wurden Ausgehbeschränkungen ausgeweitet und verfestigt, dadurch verschieben sich Stromnachfrage, Marktgleichgewicht und -preis immer deutlicher. Trotz der Abwärtsbewegung der CO2-Emissionspreise bleibe Gas in Europa wirtschaftlicher als Kohle. Beide Brennstoffe weisen jedoch aufgrund der gedrückten Nachfrage geringere Gewinnspannen auf.

In Nordamerika wird erwartet, dass die weltweite Schwemme von flüssigem Erdgas (LNG) die Erdgaspreise auch bei rückläufigen LNG-Exporten niedrig halten wird. Weitere Umstellungen von Kohle auf Gas werden dadurch gedämpft, dass die bereits niedrigen Gaspreise nur noch wenig Potenzial für zusätzliche Gaskapazitäten hinterlassen haben. Die Ausweitung der Förderpolitik für erneuerbare Energien wurde als Teil eines Konjunkturpakets diskutiert, aber die Verhandlungen sind bisher noch nicht abgeschlossen.

Lateinamerika leidet unter sinkender Rohstoffnachfrage

In Lateinamerika beginnen nun die Quarantänemaßnahmen im Inland, was eine Region, die stark von der globalen Rohstoffnachfrage abhängig ist, vor eine weitere Herausforderung stellt. Dies wird die Nachfrage in den Schlüsselmärkten Brasilien, Chile, Mexiko und Argentinien verringern und wahrscheinlich zu einer Verringerung oder Verzögerung von Auktionen führen und die Projektfinanzierung in Frage stellen.

In China normalisiert sich die Lage

In China kehren die Arbeitskräfte zurück, im März dürften 70 Prozent und im April über 90 Prozent wieder arbeiten, so Woodmac. Die Stilllegungen in Asien seien jedoch noch nicht vorbei, da letzte Woche Länder wie die Philippinen, Malaysia, Indien und Thailand weitere Sperrmaßnahmen mit Auswirkungen auf die inländische Entwicklung und die globalen Technologieversorgungsketten angekündigt hätten.

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