Aufholjagd in China bleibt aus: Experte rechnet nicht mehr mit Solarmodul-Engpass

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Die von einigen Marktbeobachtern vorausgesagte Aufholjagd bei den Installationszahlen in China in der zweiten Jahreshälfte bleibt aus. Statt der erwarteten Neuinstallationen im Bereich von 25 bis 30 Gigawatt im zweiten Halbjahr werde jetzt mit weniger als 20 Gigawatt gerechnet, berichtet Martin Schachinger, Geschäftsführer des PV-Handelsplatzes pvXchange.

„Diese Menge kann jedoch jederzeit durch die bestehenden Produktionskapazitäten bei Wafern, Zellen und Modulen aufgefangen werden, so dass der auch von mir erwartete Modulengpass, insbesondere bei in China gefertigten Produkten, ausbleibt.“ Nach wie vor kämen kontinuierlich neue Lieferungen aus Asien an, beinahe jede Technologie sei entsprechend ihrer momentanen Nachfrage verfügbar.

Die Ruhe mache sich auch bei den Modulpreisen bemerkbar. Die Preise quer durch alle Modularten hätten sich stabilisiert, allein die Preise für hocheffiziente und bifaziale Produkte seien leicht gestiegen, „was aber auch auf natürliche Schwankungen im Spotmarkt zurück geführt werden kann“. Bei der Betrachtung der Preisentwicklung ist zu beachten, dass pvXchange die Grenzen zwischen Low Cost, Mainstream und High Efficiency vor einem Monat geändert hat, so dass die etwas preiswerteren Module mit 290 Watt aus der Durchschnittspreisermittlung letzterer Klasse rausfielen. High Efficiency-Module beginnen nun bei 295 Watt, Mainstream-Module bei 270 Watt.

Solarmodulpreise seit Jahresbeginn gesunken

Bei bifacialen Modulen und im Bereich High Efficiency weist das Preisbarometer von pvXchange aktuell einen leichten Anstieg auf 0,39 €/Wp bzw. 0,33 €/Wp gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Jahresstart zeigt sich aber weiter ein Rückgang, der sich auf 9,3 Prozent (Bifacial) respektive 5,7 Prozent (High Efficiency) beläuft. Auch All Black-Ware (-2,8 Prozent seit Jahresstart) und Mainstream-Module (-7,4 Prozent) haben seit dem Jahresbeginn einen Preisrückgang verzeichnet. Lediglich im Low-Cost-Segment sind die durchschnittlichen Angebotspreise auf dem europäischen Spotmarkt für verzollte Ware mit 0,18 €/Wp im Vergleich zu Anfang 2019 unverändert.

Schachinger sieht im Fachkräftemangel ein Problem mit Blick auf die weitere Entwicklung des Photovoltaikmarkts. Der Grund liege in der großen Krise der Photovoltaik in Deutschland zu Beginn des Jahrzehnts. Hier hätten sich viele Fachkräfte anderen, „von der aktuellen politischen Wetterlage unabhängigeren“ Betätigungsfeldern zugewandt. Die wenigen Firmen, die der Branche treu geblieben sind, versuchten nun, dem allmählich wieder ansteigenden Arbeitsaufkommen mit sehr viel kleineren Teams Herr zu werden.

Wettbewerb um Fachkräfte bleibt vorerst hart umkämpft

Im Ergebnis fehlten in Deutschland zahlreiche Arbeits- und Fachkräfte im PV-Bereich, so dass viele Installationsaufträge nicht angenommen oder aber nur mit sehr großer Verzögerung abgearbeitet würden. Nach Erhebungen des Startups www.installion.eu seien allein in den letzten Monaten die Vorlaufzeiten für Elektrikerarbeiten von durchschnittlich 2 bis 3 Monaten im Juni erheblich auf bis zu 5 Monate im September gestiegen. Die meisten Installationsbetriebe nähmen gerade kleinere Aufträge im Endkundensektor für dieses Jahr schon gar nicht mehr an.

In anderen europäischen Ländern sei die Lage kaum besser. „Dort, wo es in der Vergangenheit im Wesentlichen nur Großanlagenbau gab – Beispiele sind Spanien und Großbritannien – fehlt das Know-how für smarte Kleinanlagen mit Speicherunterstützung und Eigenverbrauchsoptimierung völlig, selbst wenn Montagekräfte prinzipiell vorhanden wären“, sagt Schachinger. Um die Situation zu verbessern, müsse sich die Branche um Nachwuchs kümmern, also selbst neue Fachkräfte ausbilden. „Dazu wären natürlich Bildungsinitiativen der Länder und eine anderweitige staatliche Unterstützung hilfreich, beispielsweise durch Steuererleichterungen und Senkung der Sozialabgaben für Ausbildungsbetriebe.“

Start-up bietet Online-Marktplatz für Elektrikerkapazitäten

In der kurzen Frist bleibt der Kampf um die Fachkräfte hart. Das Startup www.installion.eu hat einen Onlinemarktplatz für Elektrikerkapazitäten entwickelt. Durch gezieltes Akquirieren von Elektromonteuren in anderen Branchen unterstützt die Firma eine zweistellige Zahl an Energieversorgern, Herstellern, Großhändlern und größeren Installationsbetrieben in der strukturierten Akquise von Montagekräften. Auftraggeber könnten innerhalb eines monatlich kündbaren Abonnements ihre anstehenden Projekte platzieren, für deren Realisierung der Plattformbetreiber dann geeignete Arbeitskräfte vermittelt, berichtet Schachinger.

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