Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung in Deutschland lag im Jahr 2020 erstmals bei mehr als 50 Prozent. Das geht aus der Jahresauswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE hervor. Demnach hat sich der Anteil von 46 Prozent auf 50,5 Prozent erhöht. In Summe produzierten die erneuerbaren Energiequellen im Jahr 2020 circa 246 TWh Strom. Die Windkraft war mit einem Anteil von 27 Prozent an der Stromerzeugung erneut wichtigste Energiequelle. Solar- und Windenergie übertrafen mit 183 TWh erstmals die Summe aller fossilen Energiequellen, die 178 TWh produzierten. (Titelbild: bank_jay – stock.adobe.com)

Die Windkraft produzierte 2020 etwa 132 TWh (ein Plus von 4,6 Prozent). In zehn Monaten übertraf die Windstromproduktion die Erzeugung aus Braunkohle und in allen zwölf Monaten lag die Windenergie vor der Kernenergie. Die maximal erzeugte Leistung betrug ca. 46,9 GW am 22.02.2020 um 20:30 Uhr, Windenergie hatte dabei einen Anteil von 67,4 Prozent an der Stromerzeugung. Der Anteil der Onshore-Windstromproduktion betrug 105 TWh. Offshore wurden 27 TWh erzeugt, nach 24,5 TWh im Jahr 2019.

Der Zubau von Wind ist sowohl Onshore als auch Offshore erneut stark eingebrochen: Ende Oktober 2020 lag die installierte Leistung von Onshore-Wind bei 54,64 GW (plus 1,5 GW gegenüber 2019) und von Offshore-Wind bei 7,74 GW (plus 0,14 GW).

Die Grafik zeigt die Nettostromerzeugung aus Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung. Die Erzeugung aus Kraftwerken von „Betrieben im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden“, d.h. die industrielle Erzeugung für den Eigenverbrauch, ist bei dieser Darstellung nicht berücksichtigt. Quelle: © Fraunhofer ISE/Bruno Burger

Die deutschen Photovoltaikanlagen speisten 2020 etwa 50,7 TWh ins öffentliche Netz ein, das war 9,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Zubau von 4,4 GW erhöhte die installierte Leistung auf ca. 53,6 GW (Stand November). Die maximale Solarleistung wurde laut ISE am 01.06.2020 um 13 Uhr mit etwa 37,25 GW erreicht, das waren 56 Prozent der gesamten Stromerzeugung zu diesem Zeitpunkt. Von März bis September war die monatliche Stromerzeugung von Photovoltaik-Anlagen höher als die von Steinkohlekraftwerken.

Die Wasserkraft erlebte einen leichten Einbruch gegenüber 2019 und trug der Auswertung des ISE zufolge 18,3 TWh zur Stromerzeugung bei (2019: 20,6 TWh). Die Biomasse lag mit 45,5 TWh leicht über dem Wert des Vorjahres (43,86 TWh).

Die Nettostromerzeugung beinhaltet neben der öffentlichen Nettostromerzeugung auch die Eigenerzeugung von Industrie- und Gewerbebetrieben, die hauptsächlich mit Gas erfolgt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Bruttostromerzeugung einschließlich der Kraftwerke der „Betriebe im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden“ liegt gemäß den Berechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bei ca. 44,6 Prozent.

ISE: Beschleunigter Ausbau von Wind- und PV-Leistung nötig

Das Fraunhofer ISE führt den hohen Anteil der erneuerbaren Energien zum einen auf günstige Windbedingungen und eine hohe Zahl an Sonnenstunden, zum anderen auf einen Rückgang des industriellen Strombedarfs infolge der Corona-Epidemie zurück. Vor dem Hintergrund der verschärften Klimaschutzziele der EU (Reduktion energiebedingter CO2-Emissionen um 65 Prozent bis 2030 und um 100 Prozent bis 2050) und des Kohle- und Atomausstiegs sei ein beschleunigter Ausbau von Wind- und Photovoltaikleistung nötig: Nach einer aktuellen Studie des Fraunhofer ISE ist für die Erreichung des 2030-Zwischenziels jährlich ein durchschnittlicher Zubau der Photovoltaik von 10,5–14,8 GW notwendig. Bei der Windenergie wird jährlich ein Zubau von 7,4–8,4 GW Onshore benötigt und Offshore von 1,4–1,7 GW.  

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