Kerstin Andreae, die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, hat sich heute zur Eröffnung des 9. Wirtschaftsforums Offshore auf Helgoland dafür ausgesprochen, die Windenergie auf See zu einem europäischen Projekt zu machen. „Europa ist von fast allen Seiten von Meer umgegeben. Es ist zu kurz gedacht, die Deutsche Bucht mit Anlagen zu bestücken, die allein für Deutschland Strom produzieren, der gegebenenfalls nicht vollständig in die deutschen Verbrauchszentren abtransportiert werden kann. Wir müssen Offshore-Windenergie europäisch denken“, so Andreae.

Notwendig dafür sei eine Annäherung bestehender nationaler Förder- und Ausbauregime sowie eine enge europäische Vermaschung der Netze zu und von den Offshore-Windparks. Um den Offshore-Ausbau – mit Blick auf Flächen und Kosten – effizient zu gestalten, brauche es eine grenzüberschreitende Vernetzung von Windenergieprojekten Offshore.

Neben dem Offshore-Ausbau zur Stromerzeugung, müsse der Fokus zudem auf eine europäische Erzeugung von grünem Wasserstoff auf Basis von Offshore-Strom gerichtet werden: „Aufgrund des hohen Anteils an Volllaststunden ist die Offshore-Windenergie hervorragend für die Produktion von grünem Wasserstoff geeignet. Dieses Potenzial sollte gerade für Anlagen, die an das Netz mehrerer Mitgliedstaaten der EU angebunden sind, genutzt werden“, sagt Andreae. Nirgends sonst seien die Bedingungen für eine europäische Wasserstoff-Erzeugung so günstig wie in einer vernetzten europäischen Stromerzeugung auf See.

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Das Wirtschaftsforum auf Helgoland ist ein wichtiger Treffpunkt für die Offshore-Branche. Andreae betonte die große Bedeutung der Offshore-Windenergie für das Erreichen der Klimaziele. Damit der weitere Ausbau gelingen könne, müssten aber Planungs- und Investitionsbedingungen entsprechend ausgestaltet werden. Es sei zwar gut, dass die Bundesregierung die Ausbauziele für die Offshore-Windenergie deutlich erhöhen möchte. Problematisch sei aus Sicht des BDEW allerdings der Ansatz der Bundesregierung für eine sogenannte zweite Gebotskomponente bei Ausschreibungen für Windenergieprojekte auf See. Damit soll ermöglicht werden, bei zuletzt zunehmenden Null-Cent-Geboten eine Entscheidung über den Zuschlag für den Bau des ausgeschriebenen Meereswindparks zu treffen.

Andreae gab hier erneut die Empfehlung zur Einführung von Differenzverträge ab: „Contracts for Difference reduzieren die Kosten für den Ausbau der Offshore-Windenergie, bezuschlagte Gebote werden mit größerer Wahrscheinlichkeit realisiert, der Wettbewerb wird gestärkt und die ohnehin beschränkte Akteursvielfalt bleibt erhalten.“

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Beitragsbild: malp – stock.adobe.com

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