Analyse: Powerfuels würden Flugverkehr nicht erheblich teurer machen

124
Symbolbild Flugzeug / Power-to-Liquid
Quelle: aapsky - stock.adobe.com

Strombasierte, erneuerbare Kraftstoffe (Powerfuels) sollten in den Fokus der Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategie von Mitgliedstaaten der Zivilluftfahrtorganisation der Vereinten Nationen ICAO rücken. Dazu hat die Global Alliance Powerfuels – eine branchenübergreifende Vereinigung von Unternehmen und Verbänden – aufgerufen. Für den Einstieg sollte das Ziel sein, eine weltweite Quote zur Beimischung von Powerfuels in Höhe von mindestens zwei Prozent zu beschließen. Die Kosten dafür wären schon heute gut vertretbar.

Der Preis für ein Flugticket würde sich der Vereinigung zufolge entsprechend der Beimischungsquote erhöhen: bei einer Beimischung von 2 Prozent um 2 Prozent, bei 10 Prozent um 10 Prozent, bei 50 Prozent um 50 Prozent. Das habe eine Analyse ergeben, die die Global Alliance zur  40. Versammlung der ICAO im kanadischen Montreal veröffentlich hat.

Die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in anderen Sektoren sei nur ein Ausgleichsmechanismus und nachhaltige Biokraftstoffe seien für den Luftverkehr sehr begrenzt verfügbar. Deshalb sollte die ICAO strombasierte Kraftstoffe in ihre Nachhaltigkeitsstrategie aufnehmen und zeitnah Beimischungsquoten einführen. Einzelne Staaten und Regionen sollten darüber hinaus aktiv werden, um die Entwicklung zu beschleunigen, zum Beispiel durch eigene Quotenregelungen und Anreizprogramme für Fluglinien, Flughäfen und Kraftstoffproduzenten. Die Bundesregierung sollte zum Beispiel die Gelegenheit nutzen, mit dem Klimaschutzprogramm 2030 die geplante Erhöhung der Luftverkehrssteuer für die Förderung der Produktion von stormbasierten Flugkraftstoffen einzusetzen.

Preis für Powerfuels könnte bis 2050 auf einen Euro pro Liter sinken

Der Markt für Powerfuels steht noch am Anfang. Erste Projekte zum Aufbau der Powerfuels-Produktion für den Luftverkehr laufen zum Beispiel in den Niederlanden, in Norwegen und Deutschland. Wie die Analyse der Global Alliance Powerfuels zeigt, könnte der Markt durch eine regional oder sogar weltweit verpflichtende Beimischungsquote schnell wachsen. Der Preis pro Liter würde rasch abnehmen und könnte bis 2050 auf fast einen Euro sinken.

Selbst bei Kosten von 2,40 Euro pro Liter Powerfuels-Kerosin, die nach Schätzungen schon in naher Zukunft erreichbar wären, ließen sich die Emissionen spürbar senken, ohne dass Flugtickets erheblich teurer würden. Ein typischer Urlaubsflug von Berlin nach Mallorca kostet beispielsweise 145 Euro. Bei einer Beimischungsquote von zwei Prozent würde das Ticket drei Euro teurer werden, bei einer Beimischungsquote von zehn Prozent 15 €. Ein Langstreckenflug von Berlin nach Peking für 525 € würde bei einem Powerfuels-Anteil von zwei Prozent elf Euro teurer werden; bei einem Anteil von zehn Prozent 53 €.

Das CO2-Reduktionspotenzial von Powerfuels-Kerosin hängt stark davon ab, welcher Strommix und welche CO2-Quellen bei der Produktion zum Einsatz kommen. Der Global Alliance Powerfules zufolge könnte es nach sehr konservativen Schätzungen im Vergleich zu fossilem Kerosin etwa 75 Prozent betragen. Bei einer weltweiten Beimischungsquote von zwei Prozent könnten somit rund 14 Mio. Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden; bei einer Beimischungsquote von zehn Prozent rund 68 Mio. Tonnen CO2. Das wäre mehr als der jährliche Treibhausgasausstoß eines Landes wie Irland.

ICAO muss Rahmenbedingungen für Powerfuels schaffen

Die aktuellen Rahmenbedingungen in der internationalen Luftfahrt sind aus Sicht der Global Alliance nicht geeignet, effektive Anreize für  den Einsatz von Powerfuels zu geben. Die ICAO hat den Reduktionsmechanismus „Corsia“ eingerichtet, der garantieren soll, dass die Emissionen im Luftverkehr ab 2020 nicht weiter steigen. Der Schwerpunkt liegt dabei aber auf der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in anderen Sektoren. Dieses Instrument könnte so weiterentwickelt werden, dass auch Investitionen in Powerfuels attraktiv werden. Die nächste ICAO-Konferenz zu alternativen Kraftstoffen im Luftverkehr sollte dafür die Grundlagen schaffen. Vorreiternationen sollten jedoch schon vorher aktiv werden.

Auf nationaler Ebene könnte ein Teil der Einnahmen aus Steuern und Abgaben im Luftverkehr für Powerfuels-Programme genutzt werden. Der europäische Emissionshandel bezieht zwar den Luftverkehr mit ein, aber bei einem Preis von unter 30 € pro Tonne CO2 entstehen für die Luftverkehrswirtschaft noch keine Anreize, in Powerfuels zu investieren. Schweden und Norwegen sind dabei, Beimischungsquoten für Bio-Kraftstoffe im Flugbenzin einzuführen. Solche Quotenregelugen sollten auf Powerfuels erweitert werden.

In Deutschland wird Quote für Powerfuels-Kerosin bereits diskutiert

Die deutsche Regierung hat in ihrem neuen Klimapaket angekündigt, die Rahmenbedingungen für die Produktion von strombasierten Kraftstoffen zu verbessern. Zur Diskussion steht auch, die Einführung einer Quote für Powerfuels-Kerosin zu untersuchen. Die parallel angekündigte Anhebung der Luftverkehrssteuer sollte dann jedoch nicht ausschließlich für die Bahn, sondern auch für die Förderung erster Powerfuels-Kerosin-Anlagen genutzt werden. Zusammen mit den Bundesländern, der Industrie und den Gewerkschaften hat sich die Bundesregierung außerdem vorgenommen, eine industriepolitische Initiative für Powerfuels in der Europäischen Union auf den Weg zu bringen. So steht es im Leipziger Statement zur Zukunft der Luftfahrt, das die deutschen Stakeholder im August vorgelegt haben. Die Global Alliance unterstützt dieses Vorhaben ausdrücklich.

Die Analyse „Powerfuels in Aviation“ steht unter www.powerfuels.org zur Verfügung.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte Kommentar einfügen!
Bitte geben Sie Ihren Namen hier ein