Erste Onshore-Ausschreibung im Mai gestartet – Maximale Vergütungshöhe liegt bei 7 ct/kWh

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Am 2. Mai 2017 ist die erste Ausschreibung für Windenergie an Land nach dem EEG 2017 durchgeführt worden. Die Ausschreibung gewinnt derjenige, der die Anlagen für das niedrigste Gebot baut und betreibt. Der zu bietende Höchstwert lag bei höchstens 7 Cent je Kilowattstunde (kWh) für einen Referenzstandort. Die Standortgüte wird dabei mittels eines Korrekturfaktors berücksichtigt, z.B. wird für einen 70 Prozent-Standort eine Vergütung von 129 Prozent bezahlt. Dies bedeutet eine maximale Vergütung von 9,03 Cent pro kWh.

Update: Am 19. Mai hat die Bundesnetzagentur die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde bekanntgegeben.

Die zentrale Herausforderung ist es, einen wirtschaftlichen Gebotspreis zu ermitteln. Die wesentlichen wirtschaftlichen Einflussfaktoren eines Windprojekts sind und bleiben die Vergütung, der Anlagenpreis und das Wartungspaket sowie die Höhe der Pachten. Daneben spielen die Kosten der Finanzierung eine nicht unbedeutende Rolle sowie verschiedene Parameter, die entweder projektspezifisch (wie Abschaltungen aufgrund von Artenschutz etc.) oder gesetzlich bestimmt sind (z.B. §51 EEG: Abschaltungen bei negativen Strompreisen).

Vor allem letztgenannter Faktor liegt im Bereich hoher Unsicherheit, die Prognosen liegen weit auseinander und bieten kaum seriöse Anhaltspunkte, so eine Einschätzung des Beratungsunternehmens Sterr-Kölln & Partner. Durch das Ausschreibungsverfahren wird nun – eine Ausnahme gilt für Bürgerenergiegesellschaften – eine Genehmigung nach dem BImSchG verlangt, die drei Wochen vor dem Gebotstermin erteilt worden sein muss. Das bedeutet, dass für Projektentwicklung und Genehmigungsverfahren hohe Kosten anfallen, bevor überhaupt klar ist, ob das Projekt einen Zuschlag erhält – und zu welchem Preis.

Verkürzter Vergütungszeitraum

Bei der Bestimmung des wirtschaftlichen Mindestgebotspreises spielt auch der veränderte Vergütungszeitraum eine Rolle. So verkürzt sich der Vergütungszeitraum von 20 Jahren plus Jahr der Inbetriebnahme nach alter Regelung hin zu 20 Jahren nach EEG 2017. Ein weiterer Punkt ist der Anlagenpreis: Die Kostendegression ist Ausdruck der Entwicklung in der Branche und wird politisch unterstellt. Bereits heute werden bei höheren Leistungen der Anlagen nicht nur höhere Anlagenpreise kompensiert, sondern eine echte Kostendregression erreicht. Auf diese veränderte Situation müssen sich Hersteller und Projektentwickler neu einstellen.

Wartungskosten frühzeitig im Blick behalten

Konnten die Hersteller in der Vergangenheit den Anlagenpreis mit dem Wartungspaket bis zu einem gewissen Grad ausgleichen, hängen nun sowohl der Anlagenpreis als auch der Wartungsvertrag vom erzielbaren Ausschreibungsergebnis ab – und dieses steht erst fest, nachdem eine Genehmigung nach dem BImSchG auf Basis eines WEA-Typs erteilt wurde. Es empfiehlt sich daher, möglichst früh in die Diskussion um die Wartungskosten einzusteigen und eine grundsätzliche Vergütungsmechanik ebenfalls möglichst früh und verbindlich für das jeweilige Projekt zu vereinbaren. Bei der Finanzierung liegt die Herausforderung aktuell in der Phase der Projektentwicklung: die Höhe der Vorfinanzierung erhöht sich bei gleichzeitiger Ausweitung der Kapitalbindung und des Risikos. Nicht zuletzt müssen die Ausschreibungsunterlagen noch fehlerfrei ausgefüllt und rechtzeitig bei der Bundesnetzagentur eingereicht werden. Die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde werden von der Branche mit Spannung erwartet. Während es den großen Akteuren im Markt leichter fallen dürfte, all diese Entwicklungen im Auge zu behalten und für sich nutzen zu können, wird dies für kleinere Akteure deutlich schwieriger werden. Für manch einen mag es daher sinnvoll sein, sich mit einem starken und erfahrenen Partner zusammen zu tun, um die Herausforderungen zu meistern.

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