Solarbranche empört über geplante massive Kürzung der Solarförderung
Die Pläne der Bundesregierung zur Kürzung der Solarförderung sorgen in der Branche selbst für Empörung. Die geplanten massiven Fördereinschnitte seien eine „Kampfansage“ an die gesamte Solarbranche in Deutschland, erklärte der Geschäftsführer des Projektierers GP Joule, Ove Petersen.
Ähnlich äußerte sich Karl-Heinz Remmers, Vorstandsvorsitzender der Solarpraxis AG: „Man kann nicht mit großer Mehrheit eine Energiewende beschließen, um gleich danach die Wachstumsbranche Solarwirtschaft mit einer Vollbremsung lahmzulegen. Durch dieses Verhalten werden nicht nur die Energiewende, sondern auch Tausende von Arbeitsplätzen aufs Spiel gesetzt.“ Um 12:30 wollen Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vor die Presse treten, um die gefundene Einigung vorzustellen.
Medienberichten zufolge soll insbesondere die Förderung von großen Solarparks massiv beschnitten werden. Diese sollen ab April knapp 30 Prozent weniger Förderung erhalten. Kleinere Aufdachanlagen müssten mit 20 Prozent weniger Förderung auskommen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur würden große Solarparks damit nur noch 13,5 ct/kWh erhalten, der Förderbetrag für Dachanlagen läge bei 19,5 ct/kWh. Zusätzlich soll es ab Mai eine monatlich Absenkung von 0,15 ct/kWh geben. Auch wird es den Plänen zufolge künftig keine vollständige Vergütung des produzierten Stroms geben. Nach dpa-Angaben werden Dachanlagen nur noch bis zu 85 Prozent des jährlich erzeugten Stroms vergütet, bei Solarparks beträgt der Anteil 90 Prozent.
Für GP-Joule-Geschäftsführer Petersen ist besonders die massive Kappung der Förderung von Freiflächen-Solaranlagen unverständlich. „Freiflächen-Solaranlagen erzeugen die zweitgünstigste erneuerbare Energieform und kommen ohne teuren Netzausbau aus“, sagte Petersen. Deshalb widerspreche es „jeglicher wirtschaftlicher und energiepolitischer Logik, den Markt derart aggressiv zu beschneiden“.
Tatsächlich spielen die großen Solarparks in Deutschland eine zunehmende Bedeutung beim Solarzubau. Nach EUWID-Berechnungen auf der Grundlage der bislang verfügbaren Detailangaben der Bundesnetzagentur zum Solarzubau zwischen Januar und September 2011 entfallen auf die Solaranlagen ab 100 kWp Größe zwar nur 2,4 Prozent der im Berichtszeitraum gemeldeten Anlagen. Die in diesen Anlagen gebündelte Leistung entspricht aber 44 Prozent der gemeldeten Gesamtleistung. Da die großen Freiflächenanlagen eine geringere Vergütung als die kleineren Aufdachanlagen erhalten, wirkt sich dies kostendämpfend mit Blick auf den Solar-Zubau aus.
⇒ Die genaue Analyse zum Solarzubau zwischen Januar und September 2011 finden Sie in der "Leseprobe" zur Solarberichterstattung von EUWID Neue Energien (vgl. Anzeige im rechten Rahmen; sollten Sie diese Nachricht im Bereich "Bioenergie" sehen, wechseln Sie in den Nachrichtenbereich "Solarenergie", um den entsprechenden Kontextrahmen zu sehen).
Die vorschnelle Absenkung der Solarförderung verhindere, dass die Ziele der Energiewende erreicht werden, sagte Petersen. „Die Bundesregierung torpediert damit ihre eigene Politik und hat sich mit ihrer Entscheidung dem Druck der großen Energieversorger gebeugt.“ Solarpraxis-Chef Remmers verwies darauf, dass die geplanten Kürzungen für viele deutsche Unternehmen auf ihrem Heimatmarkt „verheerende Auswirkungen“ hätten, auch in Bezug auf ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. „Dies betrifft nicht nur bereits angeschlagene, sondern auch bislang noch kerngesunde Firmen“, sagte Remmers.
Bundesweit soll es heute zu Protestmaßnahmen in der Solarbranche kommen. In Wismar wollen rund 150 Mitarbeiter des Modulherstellers Centrosolar demonstrieren. Die Solarpraxis AG kündigte Proteste der rund 80 Mitarbeiter an. Der Bundesverband Solarwirtschaft rechnet mit Protestaktionen in mehr als 50 Unternehmen.
⇒ Die Pläne zur Kürzung der Solarförderung und die Reaktionen auf den Vorschlag werden in Ausgabe 9/2012 von EUWID Neue Energie analysiert. Die wöchentlich als Printausgabe und E-Paper erscheinende Fachzeitung informiert Leser mit knappem Zeitbudget kompakt über die relevanten Entwicklungen während der Energiewende.
Ausgabe 8/2012 von EUWID Neue Energien ist am 22. Februar erschienen. Titelthema der Publikation ist ein gemeinsames Forschungsprojekt von Hessen und Thüringen zur Methanisierung von Strom aus erneuerbaren Energien. Insgesamt umfasst die Ausgabe 104 Nachrichten auf 32 Seiten. Eine Kurzcharakteristik der Ausgabe finden Sie hier.
Sie können ein kostenloses Exemplar von EUWID Neue Energien unverbindlich direkt hier bestellen.
zurück − Röttgen: Kürzung der Solarvergütung soll "Zubaumenge und Kosten wirksam begrenzen"
"Handelsblatt": Röttgen und Rösler einigen sich auf Kürzung der Solarförderung − vor
Abo & Shop
