Netzanschluss von Offshore-Windparks verzögert sich weiter, EEG-Debatte nimmt wieder Fahrt auf
Fünf der acht genehmigten Windpark-Netzanschlüsse vor der deutschen Küste werden zum Teil erheblich später fertig gestellt als geplant. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion hervor. Bei den Netzanschlüssen BorWin 2, Dolwin1, HelWin1, SylWin1 und Riffgat gibt es laut Bundesumweltministerium Verzögerungen von bis zu 24 Monaten. Als Grund werden Probleme beim zuständigen Netzbetreiber TenneT bei Design und Fertigung der Plattformen für die Netzanbindungssysteme angeführt. Die betroffenen Leitungen haben eine Kapazität von mehr als 3 GW.
Der Titelbericht der Ausgabe 3/2013 von EUWID Neue Energien analysiert den aktuellen Status der Offshore-Windprojekte vor der deutschen Küste. Die Ausgabe ist am 16. Januar erschienen und umfasst insgesamt 91 Nachrichten und Berichte zur Energiewende auf 32 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik der aktuellen Ausgabe (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier):
Übergreifende Themen
Zum Auftakt des Bundestagswahljahrs haben mehrere Parteien bzw. Fraktionen ihre Positionen zur Energiewende festgezurrt. Die christlich-liberale Koalition lasse sich bei der Umsetzung der Energiewende von dem Zieldreieck Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit leiten, heißt es in einem Positionspapier der CSU-Landesgruppe, das in der vergangenen Woche in Wildbad Kreuth verabschiedet wurde.
„Wir sind überzeugt, dass wir diese Ziele gleichgewichtig erreichen können“, schreibt die CSU. Nur wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien wirtschaftlich gestaltet werde und die erforderliche Energie zu jeder Zeit verfügbar sei, könne die Energiewende gelingen. Dazu braucht es nach Ansicht der Christsozialen einen funktionierenden europäischen Emissionshandel.
Die Grünen im Deutschen Bundestag wollen ihrerseits bei einem Wahlsieg die Energiewende mit einem milliardenschweren Einsparfonds und einem Kohle-Verzicht durch ein Klimaschutzgesetz auch bei hohem Strombedarf vorantreiben. Der Energiesparfonds von drei Mrd. € sei für deutliche Fortschritte bei Einsparungen und energetischer Gebäudesanierung nötig, sagte Fraktionschef Jürgen Trittin bei der Klausur der Abgeordneten in Weimar. Ziel sei eine jährliche Gebäudesanierungs-Rate von mehr als zwei Prozent.
Mobil machen zu Jahresbeginn auch die Kritiker des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Nachdem Wirtschaftsminister Philipp Rösler in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ seine Forderung nach „mehr Markt und Wettbewerb“ bei der Förderung erneuerbarer Energien wiederholte, zog auch EU-Energiekommissar Günter Oettinger nach. Nach einem Besuch der nordrhein-westfälischen CDU-Landtagsfraktion in Düsseldorf forderte Oettinger eine „Generalrevision“ des Gesetzes noch vor der Bundestagswahl. In Sachsen bereitet das FDP-geführte Wirtschaftsministerium eine Bundesratsinitiative vor, die die Einführung eines Quotenmodells zur Ablösung der EEG-Förderung zum Ziel hat.
Weitere Berichte im Bereich der übergreifenden Themen befassen sich mit den Prognosen von RWE zur steigenden Nachfrage nach Batterie-Speicherlösungen und den vorläufigen Daten zur Produktion von erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr. Eine Jahresbilanz zur Entwicklung des EEG-Umlagekontos, aktuelle Preise an den Strom-Großhandelsbörsen und die jüngsten Entwicklungen im Bereich der Direktvermarktung von EEG-Strom ergänzen die übergreifende Berichterstattung in EUWID Neue Energien 3/2013.
Bioenergie
Reiner Biodiesel (B100) und reines Pflanzenöl sind mit dem Ende des Jahres 2012 vom Kraftstoffmarkt verschwunden, da die bisher für sie bestehende Steuererleichterung seit dem 1. Januar 2013 nicht mehr gilt. Darauf weist der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) hin.
Die Energiesteuer auf einen Liter reinen Biodiesel und Pflanzenöl sei seit dem Jahreswechsel von rund 18 Cent auf 45 Cent und damit auf die Höhe der Besteuerung von fossilem Diesel gestiegen. Biodiesel und Pflanzenöl würden in der Folge deutlich teurer als fossiler Diesel und seien am Markt nicht mehr wettbewerbsfähig, so der VDB. Für die deutschen Produzenten von Biodiesel bleibe jetzt nur noch die Möglichkeit, ihre Produkte an Mineralölkonzerne zu verkaufen, die sie fossilem Diesel zu bis zu sieben Prozent beimischen.
Die Mannheimer Südzucker-Tochter CropEnergies hat derweil in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2012/13 ihre Bioethanolproduktion um 20 Prozent auf knapp 600.000 m³ gesteigert. Im dritten Quartal (bis Ende November 2012) wurden erstmals in der Unternehmensgeschichte mehr als 200.000 m³ Bioethanol produziert. Für die verbesserte Auslastung der Produktionskapazitäten hätten Optimierungsarbeiten und ein veränderter Rohstoffmix gesorgt, heißt es im Quartalsbericht des Bioethanolherstellers.
Berichte zu Mikrowellen-Messsystemen für Biogasanlagen und zur jetzt eingeweihten stromerzeugenden Pelletheizung von ÖkoFEN ergänzen den Bioenergieteil von EUWID Neue Energien 3/2012 ebenso wie Unternehmensmeldungen zu BDI, Brüning-Megawatt, Andritz, Arcanum Energy, UTS Biogastechnik und German Pellets Wärme. Die Marktberichterstattung beinhaltet unter anderem die Großhandelspreise für Getreide und Ölsaaten, die Wochenpreise für Biodiesel und die aktuellen Biokraftstoffverbrauchsdaten.
Solarenergie
Die globale Polysilizium-Industrie wird 2013 auf den Wachstumspfad zurückkehren und ihre Produktion um 6,5 Prozent steigern. Zu diesem Ergebnis kommt das Marktforschungsunternehmen Bernreuter Research in einer aktuellen Analyse. Die weltweite Nettonachfrage nach Polysilizium werde inklusive der Nachfrage aus der Halbleiter-Industrie, aber ohne den Verbrauch von Lagerbeständen 2013 etwa 250.000 Tonnen betragen. Der Spotpreis wird sich der Prognose zufolge bis Ende 2013 auf ein Niveau von 20 bis 25 US-Dollar/kg erholen.
Polysilizium-Hersteller werden nach Einschätzung von Bernreuter von einem leicht anziehenden Wachstum der Photovoltaik-Industrie profitieren, die fast 90 Prozent der gesamten Polysilizium-Nachfrage ausmacht. „Der weltweite PV-Markt wird Fahrt aufnehmen – wenn auch in langsamerem Tempo, als wir ursprünglich annahmen“, sagte Johannes Bernreuter, Autor des Polysilizium-Marktreports. „Wir erwarten nun für 2013 PV-Neuinstallationen von 35 bis 37 Gigawatt. China, Japan und die USA werden Deutschland und Italien als PV-Wachstumslokomotiven ersetzen.“
In Deutschland wird derweil der Diebstahl von Solaranlagen zu einem ernst zu nehmenden Problem. Insbesondere im Osten der Republik haben entsprechende Eigentumsdelikte im vergangenen Jahr stark zugenommen. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hervor, in deren Rahmen Solarpark-Betreiber und Behörden in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Sachsen befragt wurden.
Für die Straftaten seien vorwiegend osteuropäische Diebesbanden verantwortlich. In Mecklenburg-Vorpommern seien demnach in den ersten sieben Monaten 2012 so viele Kollektoren gestohlen worden wie im gesamten Jahr 2011, teilte das Landeskriminalamt (LKA) mit. Über 60 Mal schlugen die Täter zu und klauten komplette Photovoltaikanlagen von Ställen, Häusern oder Ackerflächen, so das LKA weiter. Im Vorjahr habe es 37 Fälle gegeben. Dabei sei ein Schaden von ca. 400.000 € entstanden. Die wenigsten Fälle konnten aufgeklärt werden.
EUWID Neue Energien 3/2013 berichtet auch über die Pläne von Warren Buffett zur Investition in die US-amerikanische Solarindustrie und die Pläne des Umweltbundesamtes zur Reduktion des extrem schädlichen Klimagases NF3 bei der Produktion von Flachbildschirmen und Solarzellen. Unternehmensmeldungen lenken den Blick auf Colexon Energy, Fraunhofer ISE, Solarworld und Solarion. Auch die Daten zur Solarstromeinspeisung in den ÜNB-Regelzonen sind Thema der aktuellen Ausgabe.
Windenergie
Auch in dieser Woche beschäftigt sich EUWID Neue Energien mit den insolventen Emder Siag Nordseewerken. Nach Informationen der IG Metall soll es hier einen neuen Investor geben, der kurz vor dem Einstieg bei dem niedersächsischen Offshore-Zulieferer steht. Dabei handelt es sich wohl um das Unternehmen DSD Steel aus Saarlouis. Wie die Gewerkschaft mitteilte, sollen jedoch rund zwei Drittel der rund 750 Arbeitsplätze gestrichen werden.
Bei den großen IT- und Internetunternehmen spielt die Nutzung erneuerbarer Energien eine immer größere Rolle. Speziell die Windkraftnutzung steht bei den Branchenriesen hoch im Kurs. Google investiert kräftig in die Windenergie, und Apple hat mit einer Patentanmeldung für ein Speicherverfahren für Windstrom nachgezogen.
In Niedersachsen ist der Landtagswahlkampf auf der Zielgeraden. In diesem Zusammenhang forderte die Windenergie-Branche die Politik auf, geplante Milliarden-Investitionen abzusichern. Durch die verzögerte Netz-Anbindung von Offshore-Anlagen gebe es bereits dreijährige Verzögerungen beim Ausbau, mahnte der Vorsitzende des Bundesverbands Windenergie, Henning Dettmer. Nötig seien nun verlässliche Rahmenbedingungen und neue Technikstandards.
Auf europäischer Ebene wurde bekannt, dass die Europäische Investitionsbank (EIB) ein Darlehen von 500 Mio. € für den bisher größten Offshore-Windpark in der deutschen Ostsee, EnBW Baltic 2, zur Verfügung stellt. Nach Informationen des Karlsruher Energieversorgers EnBW Erneuerbare Energien GmbH sind vor allem die Lage und der Umfang des Offshore-Windparks eine Herausforderung. So werden die 80 Windkraftanlagen auf einer Fläche von 27 Quadratkilometern 32 Kilometer nördlich der Insel Rügen entstehen.
Weitere Berichte und Meldungen befassen sich mit dem Windparkbetreiber Epuron, der EOS Windenergie GmbH & Co. und dem Rotorblatt-Hersteller Euros.
Geothermie, Wasserkraft und Waste-to-Energy
Neben Firmenmeldungen und Ausschreibungen aus dem Bereich Geothermie weist EUWID Neue Energien in dieser Woche auf eine neue Veröffentlichung des Fachmagazins für Leitungsbau, Brunnenbau und Geothermie bbr hin. Es hat ein „bbr-Sonderheft Geothermie 2013“ herausgegeben, in dem renommierte Autoren in 16 Fachartikeln und Projektberichten aktuelle Einblicke in wichtige Aspekte der oberflächennahen und tiefen Geothermie geben.
Im Bereich Wasserkraft kommt die Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerk Baden-Württemberg (AWK) zu Wort. Ihr zufolge liegen in Baden-Württemberg viele Wasserkraftpotenziale brach. Allein für den Einzugsbereich des Neckars ermittelte das Umweltministerium 410 Querbauwerke mit bisher ungenutztem Wasserkraft-Potenzial. Grund hierfür sei unter anderem die Genehmigungspraxis der Behörden.
Darüber hinaus berichtet EUWID Neue Energien über eine Studie der französischen Organisation Eurobserver zu Abfallverbrennung. Demnach gewinnt die Energiegewinnung aus der Verbrennung von Abfällen in Europa immer mehr an Bedeutung. In der EU wurde im letzten Jahr bei der Verbrennung des biogenen (erneuerbaren) Anteils im Hausmüll Primärenergie in Höhe von rund 8,25 Mio. Tonnen Rohöl-Äquivalent (Mtoe) erzeugt. Das sind 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr (8,04 Mtoe), heißt es in der Studie.
⇒ Die Kurzcharakteristik der vergangenen fünf Ausgaben können Sie hier einsehen:
Ausgabe 48/2012 (28. November): Markt für Biogas-BHKW bricht in Folge der EEG-Novellierung 2012 ein
EUWID Neue Energien – Energiewende kompakt
Das Informationskonzept von EUWID Neue Energien ist darauf abgestimmt, Leser mit knappem Zeitbudget schnell und trotzdem umfassend über die Entwicklungen in Märkten und Politik zu informieren. Die Redaktion sichtet hierzu täglich mehrere hundert Informationsquellen und spricht mit den Experten der Branche. Aus der Vielzahl der Quellen selektiert das Redaktionsteam die zentralen Fakten, recherchiert die Hintergründe und bündelt die Informationen in kompakter Nachrichtenform. Thematische Schwerpunkte von EUWID Neue Energien sind die Erzeugung von erneuerbaren Energien und die intelligente Nutzung von Energie. Neben Wirtschafts- und Politikmeldungen stehen dabei Markt- und Preisinformationen im Fokus. EUWID Neue Energien bietet unter anderem Preise für NawaRo-Holz, Pellets, Altholz, Sägerestholz, Biodiesel, Getreide und Ölsaaten, Solarmodule und Ökostrom. Auch die PV-Zubauzahlen der Bundesnetzagentur sowie Einspeisewerte für Solar- und Windstrom werden regelmäßig ausgewertet.
Der EUWID-Wochenbericht zur Energiewende bei openpr: www.openpr.de/news/691635.html.
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