Fraunhofer ISE: Stromgestehungskosten von Photovoltaik liegen in Deutschland unter Endkundenpreis
Die Stromgestehungskosten bei der Photovoltaik liegen nicht nur in Regionen mit sehr hoher Sonneneinstrahlung, sondern auch in Deutschland unterhalb des Endkundenstrompreises. Das ist ein Ergebnis der Studie „Stromgestehungskosten von erneuerbaren Energien“, die das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE jetzt in aktualisierter Fassung vorgelegt hat. Nach den Berechnungen belaufen sich an deutschen Standorten die Stromgestehungskosten von Photovoltaik-Kleinanlagen bis 10 kWp auf 14 bis 20 Cent/kWh. Für Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit einer Leistung größer 1.000 kWp in Süddeutschland ergibt sich ein Wert zwischen 13 und 14 Cent/kWh.
Mit den Analysen des Fraunhofer ISE zu den Stromgestehungskosten verschiedener Technologien im Bereich der Wind- und Solarstromerzeugung befasst sich der Titel von Ausgabe 20/2012 von EUWID Neue Energien. Insgesamt umfasst die am 16. Mai erschienene Publikation 105 Nachrichten und Berichte zur Energiewende auf 36 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik der Ausgabe (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier):
Übergreifende Themen
Die erneuerbaren Energien sollen sich nach den Vorstellungen von EU-Energiekommissar Günther Oettinger in Kürze an den allgemeinen Marktpreisen für Energie orientieren. Die europäische Ökostrombranche habe sich wesentlich schneller entwickelt als die EU es vor vier Jahren noch erwartet hatte. „Die Kommission setzt sich daher dafür ein, so schnell wie möglich zu Systemen überzugehen, die die Produzenten den Marktpreisen aussetzen und so die Kosten reduzieren und zu hohe Ausgleichszahlungen verhindern“, heißt es in einem Entwurf für die Entwicklung einer neuen EU-Erneuerbaren-Strategie, aus dem die Nachrichtenagentur „Dow Jones“ zitiert.
Als wichtiger Baustein für die Energiewende gilt auch der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung. Ursprünglich sollte am 10. Mai im Plenum des Bundestags über den Gesetzentwurf beraten werden, der Tagesordnungspunkt wurde aber auf Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums kurzfristig von der Agenda genommen, wie das BHKW-Infozentrum in Rastatt berichtet. Möglicher neuer Termin wäre der 24. Mai. Unterdessen wurde bekannt, dass sich der Wirtschaftsausschuss des Bundestages für eine stärkere Erhöhung der KWK-Fördersätze ausgesprochen hat als im Gesetzentwurf ursprünglich vorgesehen. Nach Informationen aus dem Büro der Ausschussmitglieder Klaus Breil (FDP) und Thomas Bareiß (CDU) hat der Ausschuss mehrheitlich dafür votiert, dass die Zuschüsse für neue KWK-Anlagen künftig um 0,3 Cent pro kWh steigen.
Derweil wehrt sich das Textilunternehmen Vowalon gegen die Belastungen durch die EEG-Umlage. Bei der Pflichtumlage handele es sich um eine „verfassungswidrige Abgabe, die mittelständische Unternehmen unzumutbar stark belastet“, sagte Geschäftsführer Gregor Götz vergangene Woche in Chemnitz. Die Kosten der Energiewende könnten nicht allein den Stromverbrauchern aufgebürdet werden. Auch stoße der Branche eine ungerechte Verteilung der Lasten auf: Große Energieverbraucher würden von der gegenwärtigen Härtefallregelung profitieren, so dass die anderen für sie mitbezahlen müssten.
Weitere übergreifend relevante Berichte in EUWID Neue Energien 20/2012 thematisieren das geplante Reformpaket zu Energiewende und Netzausbau von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), den Boom im Bereich der Energiegenossenschaften und die laufende Forschung an neuartigen Materialien zur Verbesserung von Energiespeichern und Batterien. Nachrichten zu E.ON, HSH Nordbank, BayWa, RWE Innogy und Solvis ergänzen die Berichterstattung im übergreifenden Bereich.
Bioenergie
Angesichts stagnierender Biowärme- und Biokraftstoffmärkte verlieren die Mitglieder des Bundesverbandes BioEnergie (BBE) zunehmend das Vertrauen in das Engagement der deutschen Regierung für die Energiewende. Der BBE-Vorsitzende Helmut Lamp forderte auf dem Parlamentarischen Abend des BBE in Berlin von der Politik ein klares und deutliches Bekenntnis zu einem nachhaltigen Ausbau der Bioenergien. Die Politik lege zudem einen zu starken Fokus auf den Strombereich und vernachlässige die Potenziale des „Multitalentes“ Bioenergie im Bereich der Wärme- und Kraftstoffproduktion.
Die Möglichkeiten zur energetischen Nutzung von Biomasse sind derzeit günstig. Die Pelletproduktion hat im ersten Quartal mit 486.000 Tonnen einen neuen Rekord erreicht. Zudem besteht auf vielen Biomassemärkten aufgrund des milden Winters immer noch ein Angebotsüberhang. So hatten Angebotsengpässe im Winter 2010/2011 dazu geführt, dass viele Marktteilnehmer ihre Lager für Waldhackschnitzel vergrößert haben. Die im Herbst 2011 eingelagerten Waldhackschnitzel seien auch jetzt noch nicht aufgebraucht, berichteten Betreiber von Biomasseheiz(kraft)werken und Holzaufbereiter im Rahmen der Marktbefragung im Mai 2012, die dem EUWID-NawaRo-Marktbericht zu Grunde liegt. Eine hohe Einschnitttätigkeit in den letzten Monaten habe das Angebot zusätzlich vergrößert. Die Nachfrage sei hingegen saisonbedingt niedrig und habe sich aufgrund von Anlagenrevisionen weiter reduziert.
Im Biokraftstoffbereich bereiten Marktverzerrungen aus Übersee zunehmend Probleme. So wird billiges Bioethanol aus den USA das Rekordtempo der Südzucker-Tochter CropEnergies in diesem Jahr drosseln. Im gerade angelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 (bis Ende Februar) werde der operative Gewinn mit mehr als 50 Mio. € nur an den Wert des Vorjahres heranreichen, teilte das Bioethanol-Unternehmen in der vergangenen Woche in Mannheim mit. Hintergrund seien die Subventionen in den USA. Das Land ist der weltweit größte Bioethanol-Produzent und begünstigt den Biokraftstoff steuerlich. Die dadurch sprunghaft gestiegenen US-Importe belasteten zunehmend die Preise in Europa.
Die Bioenergieberichterstattung befasst sich in Ausgabe 20/2012 von EUWID Neue Energien auch mit aktuellen Entwicklungen bei KTG Agrar, Petrotec, Verbio, REDCert, BioConstruct, Schweighofer, BES und ERK. Die Marktberichterstattung umfasst neben dem aktuellen EUWID-NawaRo-Marktbericht auch die Großhandelspreise für Getreide/Ölsaaten und die Wochenpreise für Biodiesel.
Solarenergie
Nach massivem Druck aus Ostdeutschland liegen die umstrittenen Kürzungspläne des Bundes bei der Solarenergie vorerst auf Eis. Der Bundesrat lehnte am vergangenen Freitag mit mehr als zwei Drittel der Stimmen (48 von 69) die Pläne ab, die Einspeisevergütung zusätzlich um bis zu 30 Prozent zu senken. Der Vermittlungsausschuss muss jetzt neue Wege finden. Der Bundesrat kritisiert unter anderem die geplante Begrenzung des Zubaus, die Höhe der geplante Kürzungen und das „übereilte“ Gesetzgebungsverfahren, das den Vertrauensschutz in das EEG gefährdet habe.
Für die Solarbranche haben die Diskussionen um das EEG im ersten Quartal zu einer Sonderkonjunktur geführt. In den Umsätzen zeigt sich das aufgrund eines Preisverfalls von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr allerdings kaum. Sowohl Solarworld als auch Centrosolar, S.A.G. Solarstrom, Solar-Fabrik sowie die Solarzulieferer centrotherm photovoltaics und Manz meldeten in der vergangenen Woche rückläufige Umsätze. Eine Ausnahme im Gesamtbild bietet der weltweit führende Wechselrichterhersteller SMA Solar, der einen Anstieg des Quartalsumsatzes gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 58 Prozent auf 405 Mio. € verbuchen kann und damit die eigenen Erwartungen übertroffen hat.
Der europäische PV-Verband EPIA prognostiziert, dass der weltweite Photovoltaikmarkt unter günstigen Bedingungen von derzeit 30 GW auf 77 GW im Jahr 2016 zulegen könnte. Dies würde allerdings eine hinreichende politische Flankierung des Zubaus erfordern. In einem pessimistischeren Szenario geht EPIA von einem Markteinbruch in den kommenden Jahren aus, bevor sich insbesondere die europäische PV-Nachfrage Mitte des Jahrzehnts wieder erholt.
Weitere Artikel und Analysen im Solarbereich befassen sich in Ausgabe 20/2012 von EUWID Neue Energien unter anderem mit den Zahlen des VDMA zur Entwicklung der deutschen Solarausrüster, einem neuen Rekord für organische Solarzellen und mit Berichten zu einem bevorstehenden Einstieg chinesischer Investoren bei Conergy.
Windenergie
Laut einem Gutachten des Energieberatungsunternehmens BET Aachen können durch die Verbindung der einzelnen Offshore-Netzanbindungen untereinander die Kostenrisiken durch mögliche Netzausfälle drastisch minimiert werden. Mit dem Aufbau eines vermaschten Offshore-Netzes können nach der vorliegenden Analyse nicht nur die volkswirtschaftlichen Kosten und Risiken gesenkt und das Ausfall- und somit das Haftungsrisiko für alle Beteiligten dauerhaft minimiert werden. Es sei auch eine wirksame zwischenzeitliche Überbrückung von Netzanschlussengpässen möglich.
Im Bereich der Onshore-Windkrafterzeugung hat Baden-Württemberg jetzt die Novelle des Landesplanungsgesetzes verabschiedet. Grün-Rot legte gesetzlich fest, dass die Regionalverbände nur noch Vorranggebiete festlegen können, wo regionalbedeutsame Windkraftanlagen zulässig sind. In allen anderen Gebieten können jetzt auch Städte oder Gemeinden selbstständig planen. Die Regionalverbände können zudem keine Ausschlussgebiete für den Bau von Windrädern mehr ausweisen. Mit der Novelle werde ein Schlussstrich unter die bisherige „Verhinderungsplanung“ gezogen, sagte Verkehrs-Staatssekretärin Gisela Splett (Grüne).
In Bayern regt sich unterdessen verstärkt der Widerstand gegen die Nutzung der Windkraft im Bayerischen Wald. „Dort wo die Anlagen am effektivsten wären und die wenigsten Wohngebiete stehen, wehren sich die Bedenkenträger am heftigsten“, sagte Reinhard Strobl von den Bayerischen Staatsforsten der Nachrichtenagentur dpa in Regensburg. Das Interesse von Unternehmen sei groß, aber mit dem Hinweis auf das Landschaftsbild lehnten die zuständigen Gremien immer wieder ab.
Ein Urteil des VGH Kassel, Projekte von RWE, juwi und EVO sowie die aktuellen Daten zur Windenergieeinspeisung in den ÜNB-Regelzonen ergänzen die Windkraftberichterstattung in EUWID Neue Energien 20/2012.
Geothermie und Wasserkraft
Die ITAG Tiefbohr GmbH hat den Bohrauftrag für das Geothermieprojekt der Schweizer Stadt St. Gallen erhalten. Aufgrund seines Preis-Leistungs-Verhältnisses und guter Referenzen habe sich das Unternehmen aus Celle im zweiten Durchgang für die Vergabe der Tiefbohrungen durchgesetzt, teilte die Stadt St. Gallen mit. Auch an anderer Stelle wird in der Schweiz der Ausbau der tiefen Geothermie geprüft. In der Ostschweizer Region Herisau-Gossau wird die Machbarkeit eines Geothermiekraftwerks inklusive Nahwärmeversorgung analysiert. Die Axpo AG, die St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) und die Sankt Galler Stadtwerke (sgsw) haben sich für eine entsprechende Studie zu einem Konsortium Geothermie zusammengeschlossen.
Voith und GE bauen derweil ein innovatives Pumpspeicherkraftwerk in Portugal. Das Kraftwerk entsteht am Ufer des Flusses Cávado in der Region Braga in Nordportugal. Die Anlage wird den Angaben zufolge nach seiner Fertigstellung im Jahr 2014 zu den leistungsfähigsten Pumpspeicherkraftwerken Europas gehören und die schon bestehenden Werke Frades I und Vila Nova ergänzen. Eine stufenlose Regelung der Ausgangsleistung ermögliche es, das Kraftwerk genau an die Netzverhältnisse anzupassen, was den Wirkungsgrad, vor allem im Teillastbetrieb, erhöht.
Die Kurzcharakteristik der vergangenen fünf Ausgaben können Sie hier einsehen:
EUWID Neue Energien – Energiewende kompakt
Das Informationskonzept von EUWID Neue Energien ist darauf abgestimmt, Leser mit knappem Zeitbudget schnell und trotzdem umfassend über die Entwicklungen in Märkten und Politik zu informieren. Die Redaktion sichtet hierzu täglich mehrere hundert Informationsquellen und spricht mit den Experten der Branche. Aus der Vielzahl der Quellen selektiert das Redaktionsteam die zentralen Fakten, recherchiert die Hintergründe und bündelt die Informationen in kompakter Nachrichtenform. Thematische Schwerpunkte von EUWID Neue Energien sind die Erzeugung von erneuerbaren Energien und die intelligente Nutzung von Energie. Neben Wirtschafts- und Politikmeldungen stehen dabei Markt- und Preisinformationen im Fokus. EUWID Neue Energien bietet unter anderem Preise für NawaRo-Holz, Pellets, Altholz, Sägerestholz, Biodiesel, Getreide und Ölsaaten, Solarmodule und Ökostrom. Auch die PV-Zubauzahlen der Bundesnetzagentur sowie Einspeisewerte für Solar- und Windstrom werden regelmäßig ausgewertet.
Den EUWID-Wochenbericht zur Energiewende finden Sie auch bei openpr: http://www.openpr.de/news/633283.html
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