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Erneuerbaren-Branche vor heißem Herbst: Windkraft-Deckel und Quotenmodell erhitzen die Gemüter

Den Diskussionen über den Windkraft-Deckel und die Potenziale von Onshore- und Offshore-Windenergie widmet sich ein Nachbericht zur „Husum WindEnergy“ auf dem Titel von EUWID Neue Energien 39/2012.
EUWID Neue Energien 39/2012
26.09.2012 − 

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat auf der „Husum WindEnergy“ in der vergangenen Woche erneut deutlich gemacht, dass die Ausbaupläne für die Windenergie an Land auf „ein vernünftiges Maß“ reduziert werden müssten. Damit stößt er nicht nur in der Windkraftbranche auf Widerstand. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) appellierte an Altmaier: „Lassen Sie uns den Wind dort ernten, wo er weht“.

Den Diskussionen über den Windkraft-Deckel und die Potenziale von Onshore- und Offshore-Windenergie widmet sich ein Nachbericht zur „Husum WindEnergy“ auf dem Titel von EUWID Neue Energien 39/2012. Die Ausgabe ist am 26. September erschienen und umfasst 90 Nachrichten und Berichte zur Energiewende auf 32 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik der Ausgabe (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier):

Übergreifende Themen

Im Vorfeld des von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) angekündigten „Verfahrensvorschlags“ zur grundlegenden Überarbeitung der Ökostromförderung spitzt sich der Streit zwischen Regierung und Opposition weiter zu. Die grünen Landesumwelt- und Energieminister warfen der Bundesregierung vor, die Energiewende aus wahltaktischen Gründen zu gefährden. Das zeige vor allem der Streit über das EEG, kritisierten die fünf Ressortchefs am Montag bei einem gemeinsamen Auftritt in Berlin. Die Ökostromförderung müsse unbedingt erhalten werden. Dagegen wiederholte der nordrhein-westfälische FDP-Landeschef Christian Lindner die Forderung seiner Partei nach einem Umstieg der Erneuerbaren-Förderung von der bestehenden Einspeisevergütung zu einem Quotenmodell.

Die FDP hat nun auch Details zu ihren Vorstellungen zur Zukunft der Erneuerbaren-Förderungen bekannt gegeben. Als erster Schritt soll kurzfristig die Stromsteuer gesenkt werden, um den für 2013 befürchteten Anstieg der Erneuerbare-Energien-Umlage auszugleichen. Darauf hat sich das FDP-Präsidium am Montag verständigt. Dies soll über die zusätzlichen Mehrwertsteuereinnahmen finanziert werden, die die Erhöhung der Umlage in die Kassen von Bund und Ländern spülen dürfte. Bei der Reform des EEG setzen die Liberalen in einem nächsten Schritt auf den Umstieg von Festvergütungen auf kleine, feststehende Zuschläge pro Kilowattstunde auf den Marktpreis. Später sollen die erneuerbare Energien europaweit stärker im Markt integriert und das Quotenmodell eingeführt werden.

Reformen bei der Ökostromförderung gibt es aktuell in Österreich. Hier verdoppelt sich die jährliche Förderzuwachssumme für neue Ökostrom-Anlagen auf 50 Mio. €. Das geht aus der neuen Ökostrom-Tarifverordnung hervor, die Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner im Einvernehmen mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Umweltminister Nikolaus Berlakovich erlassen hat. Um der technologischen Entwicklung Rechnung zu tragen und Anreize für Forschung und Entwicklung zu bieten, ist die Fördersumme degressiv gestaltet und sinkt jährlich um eine Mio. € auf 40 Mio. € im Jahr 2022.

Die übergreifende Berichterstattung befasst sich in EUWID Neue Energien 39/2012 auch mit den Plänen für ein Abschaltverbot für fossile Kraftwerke, den Potenzialen der Erneuerbaren in der Schweiz und der Kaltreserve, die sich Tennet für den Winter in Österreich gesichert hat.

Bioenergie

Die Debatten um den Nutzen von Biokraftstoffen zeigen zunehmend Auswirkungen auf politischer Ebene. Nachdem bereits aus internen EU-Papieren durchgesickert ist, dass die Ausbauziele für Biokraftstoffe der ersten Generation begrenzt werden sollen, reagieren nun auch die ersten Nationalstaaten. Die deutsche Bundesregierung hat aktuell ihren Biokraftstoffbericht vorgelegt, aus dem eine deutliche Unterkompensation für die Erzeugung von reinem Biodiesel hervorgeht, trotzdem werden die Steuererleichterungen Ende 2012 auslaufen.

Damit werden Biokraftstoffe der ersten Generation in Deutschland nur noch von den Biokraftstoffquoten profitieren. Diese begünstigen jedoch im Vergleich zu Steuererleichterungen den Import von Biokraftstoffen stärker. Das zeigt sich bereits daran, dass 2011 mindestens die Hälfte des in Deutschland abgesetzten Bioethanols netto-importiert wurde.

Die Biokraftstoffförderung der Schweiz geht einen anderen Weg und setzt auf die Steuerbefreiung von Biokraftstoffen, wenn sie eine ökologisch positive Gesamtbilanz aufweisen und unter sozial annehmbaren Bedingungen produziert wurden. Die Forderung von Nationalrat Jacques Bourgeois (FDP) nach Quoten für die Beimischung von biogenen zu fossilen Treibstoffen lehnte der Schweizer Bundesrat in einer aktuellen Entscheidung ab. Der Bundesrat stuft den Beitrag von Biokraftstoffen zur Erreichung der Ziele in der Schweizer Energie- und Klimapolitik als gering ein.

Zudem sei das inländische Potential für die Herstellung von Biokraftstoffen beschränkt, hieß es. Bereits im Jahr 2011 sei der gesamte Bioethanol-Absatz sowie ein Drittel des abgesetzten Biodiesels importiert worden. Die Biokraftstoff-Debatten haben auch im Nachbarland Wirkung gezeigt. Die für Oktober geplante Einführung des Kraftstoffs E10 in Österreich liegt vorerst auf Eis, bis die Situation auf europäischer Ebene geklärt ist.

Die mit der international steigenden Biokraftstoffnachfrage zunehmenden Handelsströme von Rapssaaten, Sojabohnen und Palmöl veranschaulichen Grafiken des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID). Weitere Bioenergie-Artikel der Ausgabe 39/2012 von EUWID Neue Energien befassen sich mit dem Erwerb der Aktienmehrheit an der Deutschen Biogas AG durch KTG Energie, einem Angebot für die insolvente BKN biostrom sowie dem Plan der Bernd Schulz Laubholzsägewerk-Holzhandlung, zukünftig Laubholzpellets herzustellen. Die Marktberichterstattung umfasst die aktuellen Großhandelspreise für Getreide/Ölsaaten und die jüngsten Biodiesel-Preise.

Solarenergie

Der Umsatz der Hersteller von Komponenten, Maschinen und Anlagen für die Photovoltaik in Deutschland ist im zweiten Quartal 2012 um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken. Das gab der Maschinenbauverband VDMA zum Auftakt der Photovoltaik-Fachmesse EU PVSEC 2012 in Frankfurt am Main bekannt. Insbesondere die rückläufige Umsatzentwicklung mit Kunden in Fernost treffe die Branche hart, heißt es seitens des VDMA. Bezogen auf den Vorjahreszeitraum seien 54 Prozent weniger Umsätze in Südostasien erwirtschaftet worden. „Dieser Befund ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich wurden in den letzten beiden Jahren erhebliche Produktionskapazitäten in Asien aufgebaut“, sagte Florian Wessendorf, Projektleiter im Team von VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel, zu der aktuellen Entwicklung.

Die aleo solar AG beendet das Joint Venture avim solar production Co. Ltd. mit Sitz in Gaomi, China. Das Board des Gemeinschaftsunternehmens habe dessen Auflösung beschlossen, teilte aleo solar mit. Im Werk Gaomi, in dem mit derzeit 246 Mitarbeitern Solarmodule der Marke avim produziert werden, werde die Produktion „zeitnah“ eingestellt, heißt es. „Eine nachhaltig wirtschaftliche Fertigung ist in Gaomi aufgrund des Preisverfalls insbesondere für chinesische Module nicht länger möglich“, sagte York zu Putlitz, Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der aleo solar AG. „Im Niedrig-Preis-Segment sind keine auskömmlichen Margen mehr zu erzielen. aleo solar bedient künftig ausschließlich das Premium-Segment.“ Das Werk Gaomi hatte Ende 2008 die Produktion aufgenommen und verfügte zuletzt über eine Kapazität von 90 Megawatt.

Nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ steigt der schwedische Möbelhändler IKEA in den Verkauf von Solaranlagen ein. Derzeit teste das Unternehmen in Großbritannien den Verkauf von Solarmodulen, berichtet das Magazin. Danach wolle der Konzern entscheiden, ob er das Geschäft auf andere Länder ausweitet. Auch Deutschland sei im Gespräch. „Wir warten den Test in Großbritannien ab“, sagte ein Konzern-Sprecher in Deutschland dem Blatt. Die von Ikea vertriebenen Solaranlagen kommen laut „Wirtschaftswoche“ vom chinesischen Hersteller Hanergy. In Deutschland machte Hanergy zuletzt im Juni Schlagzeilen, als das Unternehmen die Tochterfirma Solibro des insolventen Solarkonzerns Q-Cells aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt kaufte.

Die Solarberichterstattung in EUWID Neue Energien 39/2012 wird unter anderem ergänzt mit den aktuellen Daten zur Solarstromeinspeisung in den ÜNB-Regelzonen und den Preisen für Solarmodule, die das PV-Handelsportal sologico ermittelt hat.

Windenergie

Der internationale Windenergiemarkt wird nach Einschätzung der Commerzbank trotz vorübergehender Stagnation langfristig weiter wachsen. Auch in Deutschland sei durch die Energiewende, ein hohes Repowering-Potenzial und ein steigendes Interesse von institutionellen Investoren Wachstum zu erwarten. Die Experten der HSH Nordbank teilen diese Einschätzung. Deutschland bleibe mit einem Zubau von 2 GW im vergangenen Jahr Europas Windmarkt Nummer eins, weltweit befinde man sich hierzulande immerhin noch auf Platz 4.

Weil Vögel und Fledermäuse häufig Windrädern zum Opfer fallen, hat die rheinland-pfälzische Landesregierung Bauempfehlungen für neue Windenergieanlagen vorgelegt. „Naturschutz und Energiewende sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer Medaille beim Klimaschutz“, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) am Montag letzter Woche in Mainz. Sie stellte ein Gutachten vor, das Regionen zeigt, in denen Tiere durch neue Windräder gefährdet sind. Die Studie sei ein Leitfaden für Kommunen und andere Planer, um Konflikte bei der Entwicklung von Windkraft-Standorten zu vermeiden und zu lösen. Rheinland-pfälzische Naturschutzverbände kritisierten das Papier, da es einen zu geringen Anteil des Landes für neue Windräder ausgeschlossen habe.

Unterdessen hat der deutsche Windanlagenbauer Fuhrländer aus Liebenscheid beim Amtsgericht Montabaur einen Insolvenzantrag gestellt. Bedingt durch kundenseitige Projektverschiebungen sei es zu unvorhersehbaren Verzögerungen bei den Projektzahlungen gekommen, die von der Fuhrländer AG nicht kompensiert werden konnten, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Man wolle „alles tun, um das laufende Geschäft im Planinsolvenzverfahren weiterzuführen“, so der Vorstand der Fuhrländer AG. Darüber hinaus wird das Unternehmen alle notwendigen Schritte unternehmen, um die Fortführung des Geschäftes am bestehenden Standort zu ermöglichen.

Die Windberichterstattung in EUWID Neue Energien 39/2012 befasst sich auch mit den umstrittenen Plänen des Hamburger Senats für mehr Windenergie, der Finanzierung des Offshore-Terminals Bremerhaven und einer Initiative zur Stärkung des Windkraft in Mittel- und Osteuropa.

Geothermie und Wasserkraft

Der Schwerpunkt der Berichterstattung im Bereich der Geothermie liegt in dieser Ausgabe auf dem Streit um die durch Geothermiebohrungen ausgelösten Schäden in der Stadt Staufen im Breisgau. Hier haben sich die Stadtverwaltung und die Interessengemeinschaft der Riss-Geschädigten (IGR) in der vergangenen Woche auf eine Schlichtung geeinigt. Damit sei der Weg frei für die Streitbeilegung außerhalb der Gerichte, teilte die Stadt mit. Nun könnten die geschädigten Privateigentümer Anträge an die Schlichtungsstelle stellen und selbst entscheiden, wann der endgültige Schadensausgleich erfolgen soll. Die Schäden in einer Größenordnung von etwa 50 Mio. € waren erstmals vor fünf Jahren in der historischen Altstadt von Staufen aufgetreten. Des Weiteren berichtet EUWID Neue Energien unter anderem von den Plänen des Landes Mecklenburg-Vorpommern, bis Ende 2012 einen Darlehensfonds von rund zehn Mio. € einzurichten, mit dem die Nutzung der Geothermie unterstützt werden soll.

Den Bereich Wasserkraft bestimmten in der vergangenen Woche vor allem Meldungen aus Österreich und der Schweiz. So teilten etwa die österreichischen Versorger Verbund und EVN mit, dass sie das Wasserkraftwerk Ashta nahe der nordalbanischen Stadt Shkoder in Betrieb genommen haben. Dabei handelt es sich um das bisher größte Matrix-Wasserkraftwerk aus Kleinturbinen. In Ashta sollen künftig jährlich 240 Mio. kWh Strom erzeugt und 100.000 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Die Gesamtleistung des aus zwei Anlagen bestehenden Kraftwerks beträgt 53 MW. Das Investitionsvolumen liegt bei 200 Mio. €.

Außerdem wurde bekannt, dass die Industriellen Werke Basel (IWB) neuer Partner bei dem sich in Bau befindenden 900-MW-Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance des Schweizer Energiekonzerns Alpiq werden. Alpiq verkauft einen Anteil von 15 Prozent an IWB und behält somit noch 39 Prozent am Kraftwerk. Das rund 1,48 Mrd. € teure Kraftwerk soll 2017 schrittweise in Betrieb gehen.


Die Kurzcharakteristik der vergangenen fünf Ausgaben können Sie hier einsehen:

Ausgabe 38/2012 (19. September): Munich Re, Ergo, Talanx & Co. als Finanzierer der Energiewende?

Ausgabe 37/2012 (12. September): EU-Kommission prüft Antidumping bei Importen von Biodiesel und Solartechnik

Ausgabe 36/2012 (5. September): Energiewende-Debatte: FDP-Fraktionschef Brüderle fordert Abschaffung des EEG

Ausgabe 35/2012 (29. August): Diskussion über Zukunft des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gewinnt weiter an Dynamik

Ausgabe 34/2012 (22. August): Altmaier will im September Verfahrensvorschlag für grundlegende EEG-Überarbeitung vorlegen

EUWID Neue Energien – Energiewende kompakt

Das Informationskonzept von EUWID Neue Energien ist darauf abgestimmt, Leser mit knappem Zeitbudget schnell und trotzdem umfassend über die Entwicklungen in Märkten und Politik zu informieren. Die Redaktion sichtet hierzu täglich mehrere hundert Informationsquellen und spricht mit den Experten der Branche. Aus der Vielzahl der Quellen selektiert das Redaktionsteam die zentralen Fakten, recherchiert die Hintergründe und bündelt die Informationen in kompakter Nachrichtenform. Thematische Schwerpunkte von EUWID Neue Energien sind die Erzeugung von erneuerbaren Energien und die intelligente Nutzung von Energie. Neben Wirtschafts- und Politikmeldungen stehen dabei Markt- und Preisinformationen im Fokus. EUWID Neue Energien bietet unter anderem Preise für NawaRo-Holz, Pellets, Altholz, Sägerestholz, Biodiesel, Getreide und Ölsaaten, Solarmodule und Ökostrom. Auch die PV-Zubauzahlen der Bundesnetzagentur sowie Einspeisewerte für Solar- und Windstrom werden regelmäßig ausgewertet.

Der EUWID-Wochenbericht zur Energiewende bei openpr: www.openpr.de/news/666456.html.

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