Energiewende kompakt: EEG-Umlage könnte wieder sinken, Umweltminister rühmen EEG als „Erfolgsgeschichte“
Die Übertragungsnetzbetreiber können sich für das Jahr 2014 einen Rückgang der EEG-Umlage von 5,27 ct/kWh auf bis zu 4,89 ct/kWh vorstellen. Wie sich aus der in der vergangenen Woche veröffentlichten EEG-Mittelfristprognose ergibt, ist aber auch ein weiterer Anstieg auf bis zu 5,74 ct/kWh denkbar. Derweil haben die Umweltminister der Bundesländer Eckpunkte für eine Novellierung des EEG festgelegt.
Die Ressortchefs halten langfristig kalkulierbare Vergütungen, den Einspeisevorrang der Erneuerbaren und eine grundsätzliche Verpflichtung der Netzbetreiber zum Anschluss und zur Durchleitung von Strom aus erneuerbaren Energien für zentrale Bestandteile, die auch ein reformiertes Fördergesetz berücksichtigen müsse. Die immer wieder laut gewordene Fundamentalkritik am EEG teilen die Minister nicht: „Das EEG ist eine Erfolgsgeschichte“, heißt es im vorläufigen Ergebnisprotokoll der Umweltministerkonferenz.
Der Titelbericht von EUWID Neue Energien 47/2012 widmet sich der Mittelfristprognose der Übertragungsnetzbetreiber zur Entwicklung der EEG-Umlage. Die Ausgabe ist am 21. November erschienen und umfasst insgesamt 74 Nachrichten und Analysen zur Energiewende auf 32 Seiten. Im Folgenden findet sich eine Kurzcharakteristik des aktuellen Branchendienstes (zur kompakten Übersicht gelangen Sie hier):
Übergreifende Themen
Die EU-Kommission hat angekündigt, bis 2013 Leitlinien für eine europaweite Reform der nationalen Fördersysteme für erneuerbare Energien erarbeiten zu wollen. Anlass war eine Mitteilung der EU-Kommission zum Stand der Umsetzung der Energiebinnenmarktregeln vergangene Woche. Demnach existiert in fast der Hälfte der Mitgliedstaaten der Europäischen Union immer noch kein funktionierender Wettbewerb auf dem Energiemarkt. Nach derzeitigem Stand werde er auch bis 2014 nicht erreicht werden, so das Fazit von EU-Energiekommissar Günther Oettinger
Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) wertete die Bestrebungen der EU-Kommission, bestehende Monopol- und Oligopolstrukturen in der Energieerzeugung aufzulösen, als äußerst positiv. An dem Einspeisevorrang für erneuerbare Energien dürfe dennoch nicht gerüttelt werden, sagte BEE-Präsident Dietmar Schütz. Vorschläge für eine Novellierung der Erneuerbaren-Richtlinie gehörten erst dann auf den Tisch, wenn 2014 eine Auswertung der bis dahin von der EU vorgelegten Leitlinien für gute Förderinstrumente erfolgt ist, so Schütz weiter.
Nach einer Analyse des Fraunhofer Instituts für Solar Energiesysteme (ISE) führt ein vollständig auf erneuerbaren Energien basierendes Energiesystem zu jährlichen Gesamtkosten, die nicht höher liegen als die jährlichen Gesamtkosten unseres heutigen Energiesystems. Wie die Experten des Fraunhofer ISE ausführen, gilt diese Kostenaussage auf der Grundlage heutiger Energiepreise, also ohne Einbeziehung zukünftiger Steigerungen der Preise fossiler Energieträger. Das Neuartige des Simulations-Modells sei einerseits die ganzheitliche Betrachtung des Strom- und Wärmesektors, einschließlich der Reduktion des Energieverbrauchs durch energetische Gebäudesanierung. Andererseits wurde den Angaben zufolge eine systematische Optimierung vorgenommen, um aus der Vielzahl denkbarer Kombinationen aus Technologien und Effizienz-Maßnahmen ein volkswirtschaftliches Optimum zu ermitteln.
Die Analyse des Fraunhofer ISE zeigt, dass eine Senkung des Energieverbrauchs von zentraler Bedeutung für die Energiewende ist. Bestärkt werden die Forscher darin von dem jetzt seitens der Internationalen Energie-Agentur vorgelegten World Energy Outlook. Dem Bericht zufolge ist die Energieeffizienz genauso wichtig wie die Sicherheit in der Energieversorgung. Größere Anstrengungen in der Energieeffizienz könnten die wachsende globale Energienachfrage halbieren. Bis 2035 könne bis zu ein Fünftel der globalen Energienachfrage des Jahres 2010 eingespart werden, sagte Maria van der Hoeven, Executive Director der IEA.
Die übergreifende Diskussion in EUWID Neue Energien 47/2012 befasst sich auch mit dem Entwurf für ein Klimaschutzgesetz in Baden-Württemberg, dem Ausstieg von Bosch aus Desertec und aktuellen Geschäftszahlen von E.ON und BayWa. Ergänzt wird die Berichterstattung unter anderem mit aktuellen Daten und Preisen zu Rohstoff-, Heizöl- und Strommärkten.
Bioenergie
Zu Beginn der diesjährigen Heizperiode herrscht auf dem Markt für Waldhackschnitzel und Landschaftspflegeholz weiterhin ein Überangebot. Die meisten Marktteilnehmer berichten daher bei der EUWID-Marktbefragung im November von Preisen, die sich seit der letzten Marktbefragung im August nicht bewegt haben. Kleine Heizwerke mit bis zu einem Megawatt thermischer Leistung, die hauptsächlich Waldhackschnitzel mit kleinerer Körnung (G30 bis maximal G50) einsetzen, entrichten im Mittel rund 126 €/t atro. Größere Biomasseheiz(kraft)werke zahlen für Waldhackschnitzel gröberer Körnung aktuell rund 82 €/t atro.
Nach dem Boomjahr 2011 verzeichnet die Biogasbranche in diesem Jahr einen erheblichen Rückgang im Anlagenbau. Auf Grundlage erster Erhebungen aus verschiedenen Bundesländern und einer aktuellen Firmenumfrage hat der Fachverband Biogas für das laufende Jahr die im Mai prognostizierte Zahl von 300 auf 268 Neuanlagen nach unten korrigiert. Zusammen mit Anlagenerweiterungen (Repowering) erwartet der Verband eine Zunahme an installierter elektrischer Leistung von 182 Megawatt. Im Vergleich zu 2011 bricht damit der Ausbau der Leistung um rund 70 Prozent und der Neuanlagen um knapp 80 Prozent ein. „Die aktuelle Branchenentwicklung ist sehr ernüchternd“, kommentierte Fachverbands-Präsident Josef Pellmeyer die Branchensituation im Rahmen der Messe „Eurotier“.
Weitere Bioenergie-Meldungen in EUWID Neue Energien 47/2012 befassen sich mit einer Kooperation von MT-Energie und Big Dutchman und dem Aus für die Pläne von BP, eine kommerzielle Zellulose-Ethanol-Anlage zu errichten. Die Marktberichterstattung umfasst den EUWID-Sägesrestholz-preisbericht, den DEPV-Verbaucherpreisindex für Holzpellets, die AMI-Wochenpreise für Biodiesel und die Großhandelspreise für Getreide und Ölsaaten.
Solarenergie
Die Solar-Berichtssaison zum dritten Quartal hat in der vergangenen Woche mit Branchenschwergewichten wie Conergy und Solarworld ihre Fortsetzung gefunden. Dabei hat sich das triste Bild der Vorwoche verfestigt. Auch die großen Solarunternehmen können sich dem Trend von sinkenden Umsätzen und rückläufigem Ergebnis nicht entziehen. Die Bonner Solarworld AG hat in den ersten drei Quartalen bereits ein EBIT in Höhe von -189,6 Mio. € verbuchen müssen. Für das Gesamtjahr 2012 erwarte Solarworld einen Umsatz deutlich unter Vorjahresniveau, und das operative Ergebnis werde deutlich negativ ausfallen, hieß es seitens des Solarkonzerns.
Viel Erfreuliches hat auch der Hamburger Solarkonzern Conergy nicht zu berichten. Auch im dritten Quartal wurde ein deutlicher Umsatzrückgang verbucht. Wie Conergy bekannt gab, sanken die Erlöse im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal von 182,4 Mio. € auf 108,0 Mio. € (-40,8 Prozent), der Auslandsanteil lag bei 72 Prozent. Ein Großteil der Einbußen geht auf den fortlaufenden Preisverfall zurück, aber auch die Absatzmenge verfehlte mit 84 MW das Vorjahresniveau von 90 MW knapp. Das EBITDA lag im dritten Quartal bei -31,7 Mio. €. „Der anhaltend hohe Preisdruck sowie die Vertragsauflösung mit MEMC haben unser Ergebnis im dritten Quartal stark beeinflusst. Wir befreien uns damit aber von einer großen Last und können langfristig erheblich davon profitieren“, sagte der kürzlich im Amt bestätigte Conergy-Chef Philip Comberg.
Die weltweite Solarkrise hat aber auch die chinesischen Konkurrenten von Solarworld & Co. weiter fest im Griff. Canadian Solar berichtet von einem Umsatzrückgang im dritten Quartal von 499,6 Mio. US-Dollar im Vorjahresquartal auf nunmehr 326,0 Mio. Dollar. Das Geschäft in Europa brach gegenüber dem Vorjahresquartal um fast 50 Prozent ein. Auch bei Yingli Solar gibt es keine positiven Nachrichten. Das Unternehmen, das am 28. November seine detaillierten Quartalszahlen bekannt geben will, teilte mit, dass die Bruttomarge im dritten Quartal negativ sein und zwischen 22 bis 24 Prozent betragen werde. Trina Solar mit Sitz in Changzhou kassierte seine Absatzprognose für das dritte Quartal. Statt 450 bis 480 MW rechne man nur noch mit einem Absatz zwischen 375 und 385 MW, teilte die Gruppe mit.
Die Solarberichterstattung in EUWID Neue Energien 47/2012 wird ergänzt mit Nachrichten zu Manz, aleo solar, Gehrlicher Solar und Euroglas. Auch die aktuellen Daten zur Solarstromeinspeisung in den ÜNB-Regelzonen finden sich im jüngsten Heft.
Windenergie
Laut einem „Spiegel“-Artikel vom Wochenende plant die Bundesregierung, die Schadensersatzzahlungen von Netzbetreibern im Falle einer verspäteten Netzanbindung von Offshore-Windparks zu reduzieren. Nach dem bisherigen Gesetzentwurf sollen die Netzbetreiber in jedem Fall mit bis zu 100 Mio. € haften. Nun soll dieser Betrag auf 20 Mio. € reduziert werden, heißt es in dem Artikel. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte gegenüber EUWID, dass im Rahmen einer Expertenanhörung zu der entsprechenden Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) solche Änderungswünsche aus dem „parlamentarischen Raum“ gekommen seien. Der Selbstbehalt der Netzbetreiber soll jedoch nur im Falle einer „einfachen Fahrlässigkeit“ auf 20 Mio. € pro Schadensereignis reduziert werden, konkretisierte die Sprecherin. Im Falle „grober Fahrlässigkeit“ sollen nach den Wünschen der Parlamentarier weiterhin die bisher im Entwurf geplanten 100 Mio. € pro Schadensereignis gelten.
Den Beteiligten am Offshore-Markt gehen entsprechende Debatten zu langsam von statten. Aufgrund unsicherer Rahmenbedingungen lässt jetzt auch der Energieversorger EnBW seinen Offshore-Windpark „Hohe See“ vorerst ruhen, wie der Energieversorger vergangene Woche mitteilte. Die genehmigende Behörde, die beteiligten Marktpartner sowie der zuständige Netzbetreiber Tennet seien informiert worden, hieß es seitens der EnBW. Als Grund nennt EnBW insbesondere die noch nicht abgeschlossene Debatte um die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). „Wir brauchen gesetzgeberische Klarheit und verlässliche Rahmenbedingungen, bevor wir eine Investitionsentscheidung von deutlich über 1,5 Mrd. € treffen“, begründete Technikvorstand Hans-Josef Zimmer die Entscheidung. Am grundlegenden Ziel, den Offshore-Windpark „Hohe See“ zu bauen, wolle man aber festhalten. Der Offshore- Windpark soll eine Leistung von 500 MW haben und ca. 90 km nördlich von Borkum errichtet werden.
Die Windberichterstattung in EUWID Neue Energien 47/2012 befasst sich auch mit der SIAG-Insolvenz, der Perspektiven der deutschen Seehäfen und der Geschäftsentwicklung bei Nordex. Auch die jüngsten Daten zur Windenergieeinspeisung in den ÜNB-Regelzonen finden sich in der aktuellen Ausgabe von EUWID Neue Energien.
Geothermie
Im Mittelpunkt der Berichterstattung im Bereich Geothermie steht in dieser Woche der Geothermiekongress des GtV-Bundesverbands Geothermie in Karlsruhe. Zu dessen Eröffnung sagte Verbandspräsident Waldemar Müller-Ruhe, dass die Energiewende eine generationsübergreifende Herkules-Aufgabe sei, die planerisch, rechtlich und koordiniert umzusetzen sei. Die Politik müsse entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, aber auch eine Schutzfunktion wahrnehmen, forderte er. Außerdem beschäftigt sich EUWID Neue Energien mit einer Studie der TU München, die für Wärmepumpen ein großes Einsparpotenzial bei fossilen Energien ermittelt hat. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil hat darüber hinaus angekündigt, die Geothermieaktivitäten im Freistaat stärker zu vernetzen. Weitere Artikel berichten vom Betriebsstart des Geothermiekraftwerks Insheim, einem Agrothermie-Projekt mit Erdwärmeanlagen in Wüstenrot sowie einem Tiefbohrprojekt der Wipotec Wiege- und Positioniersysteme GmbH in Kaiserslautern.
Wasserkraft
Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat einen Report veröffentlicht, der eine Verdoppelung der weltweiten Wasserkraftkapazitäten auf 2.000 GW bis 2050 prognostiziert. EUWID Neue Energien stellt Einzelheiten der „Technology Roadmap: Hydropower“ vor. In die Berichterstattung eingegangen ist zudem das „Wasserkonzept Elz und Wilde Gutach“. Darin hat das Regierungspräsidium Freiburg mit dem Landratsamt Emmendingen 25 ungenutzte Querbauwerke identifiziert, an denen aus Sicht des Gewässer- und Naturschutzes eine konfliktarme Wasserkraftnutzung möglich ist. Des Weiteren beleuchtet die aktuelle Ausgabe zwei Wasserkraftprojekte in Südamerika. Zum einen geht es um das erste Wellenkraftwerk Brasiliens in Pecém, zum anderen um einen 490-Mio.-Dollar-Auftrag für den Wasserkraftwerkskomplex Alto Maipo in Chile, den sich der Baukonzern Strabag gesichert hat.
⇒ Die Kurzcharakteristik der vergangenen fünf Ausgaben können Sie hier einsehen:
EUWID Neue Energien – Energiewende kompakt
Das Informationskonzept von EUWID Neue Energien ist darauf abgestimmt, Leser mit knappem Zeitbudget schnell und trotzdem umfassend über die Entwicklungen in Märkten und Politik zu informieren. Die Redaktion sichtet hierzu täglich mehrere hundert Informationsquellen und spricht mit den Experten der Branche. Aus der Vielzahl der Quellen selektiert das Redaktionsteam die zentralen Fakten, recherchiert die Hintergründe und bündelt die Informationen in kompakter Nachrichtenform. Thematische Schwerpunkte von EUWID Neue Energien sind die Erzeugung von erneuerbaren Energien und die intelligente Nutzung von Energie. Neben Wirtschafts- und Politikmeldungen stehen dabei Markt- und Preisinformationen im Fokus. EUWID Neue Energien bietet unter anderem Preise für NawaRo-Holz, Pellets, Altholz, Sägerestholz, Biodiesel, Getreide und Ölsaaten, Solarmodule und Ökostrom. Auch die PV-Zubauzahlen der Bundesnetzagentur sowie Einspeisewerte für Solar- und Windstrom werden regelmäßig ausgewertet.
Der EUWID-Wochenbericht zur Energiewende bei openpr: www.openpr.de/news/680646.html
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