April: Q-Cells Insolvenz, Ausblick der Energiewende und Investitionsrückgang in erneuerbare Energien
Im April überschattete die Insolvenz des „einstigen Vorzeigeunternehmens der deutschen Solarwirtschaft“ Q-Cells die Berichterstattung. Prägend war weiterhin eine positive Studie zum Ausblick der Energiewende. Ende April beunruhigte eine Bloomberg-Studie die Branche. Die Finanzexperten belegten einen spürbaren Investitionsrückgang im Bereich der erneuerbaren Energien.
Krise der deutschen Solarwirtschaft spitzt sich mit Insolvenz von Q-Cells weiter zu
Die Krise der deutschen Solarwirtschaft erfährt mit der Insolvenz des einstigen Vorzeigeunternehmens Q-Cells eine weitere Zuspitzung. Das Unternehmen, das 2008 noch an der Spitze des weltweiten Photovoltaikmarkts stand, kündigte am Montag den Gang zum zuständigen Amtsgericht Dessau zwecks Eröffnung eines entsprechenden Insolvenzverfahrens an. Am Dienstag nachmittag meldeten die Agenturen dann Vollzug. Nach intensiver Prüfung von verschiedenen Alternativen sei man zu der Überzeugung gelangt, dass dieser Schritt rechtlich notwendig sei, teilte Q-Cells mit.
BMU-Studie: Ziele der Bundesregierung zur Energiewende sind langfristig erreichbar
Die politischen Ausbauziele im Bereich der erneuerbaren Energien in Deutschland werden in allen Szenarien erreicht. Grundlage dafür ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Dies ist das zentrale Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und das Ingenieurbüro für neue Energien (IfNE) im Auftrag des Bundesumweltministeriums vorgenommen hat.
Energiewende in Gefahr: Investitionen in erneuerbare Energien in Deutschland und weltweit rückläufig
Nach Analysen von Bloomberg New Energy Finance sind die Investitionen in erneuerbare Energien im ersten Quartal des laufenden Jahres deutlich zurückgegangen. Wie die Marktforscher ermittelten, sanken die weltweiten Investitionen auf 27 Mrd. US-Dollar (rund 20,5 Mrd. €), was gegenüber dem letzten Quartal des Vorjahres einem Rückgang von 28 Prozent entspricht. Damit bestätigt sich auch weltweit der von Seiten des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) beklagte Trend abnehmender Investitionen in erneuerbare Energien.
Die Topmeldungen im April aus den Bereichen Erneuerbare Energien/Energiewende, Bioenergie, Solarenergie, Windkraft und Geothermie:
Der Anteil erneuerbarer Energien im Strombereich im Jahr 2020 liegt in allen untersuchten Szenarien mit rund 40 Prozent deutlich über dem von der Bundesregierung gesetzten Ziel von 35 Prozent. Bereits im vergangenen Jahr lag der Anteil bei 20 Prozent, so ein Ergebnis der Studie „Langfristszenarien und Strategien für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland bei Berücksichtigung der Entwicklung in Europa und global“. Für 2050 weisen die drei Hauptszenarien der Studie einen Anteil der erneuerbaren Energien von etwa 85 bis 87 Prozent aus. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sieht in den Studienergebnissen eine Bestätigung des Kurses der Bundesregierung. Mit der Energiewende habe man „das größte Modernisierungs- und Infrastrukturprojekt der kommenden Jahrzehnte gestartet“, so Röttgen.
Der Boom bei den Biogasanlagen auf Basis von Raps und Mais ist nach Erkenntnissen der BayWa AG vorbei. Wegen der knappen Flächen stießen die Betreiber solcher Biogasanlagen nun an ihre Grenzen, sagte ein Sprecher des Unternehmens vergangene Woche in Stuttgart. Derartige Probleme gibt es in der Türkei derzeit nicht. Einer Studie des Deutschen BiomasseForschungsZentrums (DBFZ) zufolge sind derzeit erst 36 Biogasanlagen mit einer Leistung von 111 MW in Betrieb, immerhin 49 weitere Anlagen befinden sich in Planung.
Neben der Q-Cells-Insolvenz wirft auch die Änderung der Photovoltaik-Förderung weiter ihre Schatten auf die Solarbranche in Deutschland. Trotz massiver Kritik der Opposition verabschiedete der Bundestag in der vergangenen Woche mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition die umstrittene Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG), die Förderkürzungen von 20 bis rund 30 Prozent für neue Solaranlagen mit sich bringt. Nach jetzigem Stand scheint es unwahrscheinlich zu sein, dass der Bundesrat den Vermittlungsausschuss anrufen wird. Stoppen können die Länder das Gesetz ohnehin nicht.
Auch der weltweite Windenergiemarkt befindet sich nach einer Studie der Managementberatung Oliver Wyman in einer Konsolidierungsphase. Nach dem rasanten Wachstum bis 2009 und nachfolgender Stagnation werde der Weltmarkt auch in den kommenden Jahren nur moderat zulegen. Es gelte, Wettbewerber zu kaufen und so den eigenen Marktanteil auszubauen, meint die Managementberatung. Größe sei der alles entscheidende Faktor.
Die oberbayerischen Anlagen zur Nutzung der tiefen Geothermie werden in den nächsten 50 Jahren stabile Bedingungen zur Förderung der Erdwärme vorfinden. Dieses und weitere Prognose-Ergebnisse aus hydrogeologisch-geothermischen Modellrechnungen hat das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) zum Abschluss des Projekts „Geothermische Charakterisierung von karstigklüftigen Aquiferen im Großraum München“ vorgelegt. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass in den nächsten fünfzig Jahren nur im Nahbereich der jeweiligen Bohrungen die Temperaturen im Untergrund durch Reinjektion von Kaltwasser nennenswert beeinflusst werden, erklärte das Institut. Gegenseitige Temperaturbeeinflussungen der Bohrungen untereinander würden nicht auftreten.
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