Forscher verbessern Herstellung von Bioethanol aus Reststoffen
Im Rahmen des EU-Projekts „Disco“ hat das Technical Research Centre of Finland (VTT) Enzyme entwickelt, mit denen die Erzeugung von Bioethanol der zweiten Generation beschleunigt werden kann. Wie das VTT mitteilte, gelang die Herstellung von lignin-toleranten Enzymen und Enzym-Cocktails zur Verarbeitung von Fichtenholz, Maiskolben, Stroh und Weizenkleie. Mit der Markteinführung dieser Enzyme habe das ebenfalls an dem Projekt beteiligte niederländische Unternehmen Dyadic Nederland BV bereits begonnen.
Biokraftstoffe der zweiten Generation werden von der Politik forciert, da sie aus Lignocellulose produziert werden und somit land- und forstwirtschaftliche Rest- und Abfallstoffe genutzt werden können. Lignocellulose, das Strukturmaterial in der Zellwand aller holzigen Pflanzen, besteht aus Cellulose, Hemicellulose und Lignin. Mit Hilfe von Enzymen wird die Lignocellulose industriell in vergärbare Zucker umgewandelt. Mikroben stellen daraus anschließend verschiedene Chemikalien wie Bioethanol her. Allerdings hemmt bisher das in der Cellulose enthaltene Lignin die Enzymaktivität.
An diesem Punkt setzte das „Disco“-Projekt an. Ziel war es, neue Kenntnisse über die inaktivierende Wirkung von Lignin zu erhalten, um Enzyme zu entwickeln, die Lignin besser tolerieren. Während des Projekts ist es VTT zufolge gelungen, neue Informationen über Enzyme und Aktivitäten, die Hemicellulose aufspalten, zu gewinnen. Britische Forscher hätten im Rahmen des Projekts strukturelle Charakteristika von verschiedenen Rohmaterialien bestimmt. Diese Informationen könnten genutzt werden, um passende Enzymcocktails für bestimmte Rohmaterialien auszuwählen.
Nach Angaben des VTT werden derzeit 15 Anlagen zur Produktion von Bioethanol der zweiten Generation in Europa, Amerika und Asien gebaut. Die Nutzung von Biomasse aus Cellulose werde den Markt für industrielle Enzyme deutlich ausweiten, so das finnische Institut. Gegenwärtig verfüge er über ein Volumen von 2,7 Mio. € im Jahr.
Das VTT hat das Projekt unter der Forschungsprofessorin Kristiina Kruus koordiniert. Insgesamt waren 11 Teilnehmer aus sieben Ländern beteiligt. Weitere Informationen stehen unter www.disco-project.eu zur Verfügung.
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