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– Der neue Biosprit E10 wird trotz Werbe- und Aufklärungskampagnen beim Verbraucher weiterhin schlecht angenommen. Die Kraftstoffkonzerne BP und Total lassen wegen der anhaltend schwachen Nachfrage schon wieder mehr herkömmliches Super-Benzin herstellen. In den drei Raffinerien Leuna, Schwedt und Karlsruhe ist die Produktion angepasst worden, wie die Unternehmen in der vergangenen Woche berichteten. Die Mineralölkonzerne sind längst skeptisch, ob sie die von der Politik vorgeschriebene Biosprit-Quote überhaupt erreichen.
„Wir müssen uns danach richten, was der Kunde an den Zapfsäulen nachfragt, und haben deshalb die Volumenplanung von E10 nach unten angepasst“, sagte ein Total-Sprecher. Er begründete die Umstellung auf mehr herkömmliches Super-Benzin auch betriebswirtschaftlich. „Wir können kein E10 auf Halde produzieren.“ Es könne nicht sein, dass das Unternehmen rote Zahlen schreibe, nur weil eine Richtlinie gesetzlich erfüllt werden müsse. Hintergrund der Kritik: Die EU schreibt mehr erneuerbare Energien für den Transportsektor vor. Deutschland setzte das unter anderem damit um, dass E10 Hauptbenzinsorte werden muss.
Neben Total lässt auch die Deutsche BP weniger E10 herstellen - und das bereits seit Wochen. „Wir haben die Produktion von E10 gedrosselt, weil wir förmlich drauf sitzen“, sagte ein Sprecher. Bereits kurz nach dem „Benzin-Gipfel“ Anfang März sei die Produktion runtergefahren worden. BP habe diese Anpassungen in den Raffinerien in Schwedt und Karlsruhe vorgenommen. In anderen Werken, etwa in Nordrhein-Westfalen, sei die Einführung von E10 bis auf weiteres verschoben.
Bei Shell hingegen gab es ähnliche Umstellungen in der Produktion einer Sprecherin zufolge bisher nicht. Allerdings sorgte das Unternehmen in der vergangenen Woche für Aufsehen, indem es eine kostenlose Versicherung ankündigte, die mögliche E10-Schäden bezahlt. Eigenen Angaben zufolge wendet sich Shell mit der Versicherung an jene Kunden, die „aus Sorge vor möglichen Folgeschäden“ noch kein E10 tanken. Die Police setzt jedoch unter anderem voraus, dass die Versicherten fast ausschließlich bei Shell tanken.
Aus der Raffinerie Schwedt verlautete, dass bereits seit einiger Zeit weniger E10 produziert werde. „Es hat schon vor Wochen eine Umstellung in der Produktion wegen der veränderten Nachfrage gegeben, weil die Ware nicht abgeholt wurde“, sagte eine Sprecherin der Raffinerie, an der neben Total auch BP und Shell beteiligt sind. „Bei Super-Plus sind wir an der oberen Kapazitätsgrenze.“ Die Produktion werde laufend angepasst. Ohne konkrete Firmen zu nennen, sagte die Sprecherin, mehrere Konzerne hätten die Anpassung in Auftrag gegeben. Geplant war, dass E10 schrittweise andere Benzinsorten ablöst. Doch laut der Sprecherin in Schwedt wird bei E10 nur ein Zehntel vom geplanten Kontingent verkauft.
VDB: Biokraftstoffquote
auch ohne E10 erfüllbar
Wird die Quote nicht erfüllt, drohen nach Angaben von Shell-Deutschlandchef Peter Blauwhoff Strafzahlungen. Die Folgekosten zur Einführung von E10 für die Branche seien hoch, sagte er. Auf die Mineralölwirtschaft in Deutschland kämen dreistellige Millionenbeträge als Strafzahlungen zu sowie die Kosten der Umrüstung. Experten fürchten, dass die Mineralölkonzerne diese auf die Spritpreise eins zu eins aufschlagen. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) warnt die Branche eindringlich, Strafzahlungen für zu wenig verkauften Biosprit an die Tankkunden weiterzureichen - doch in Regierungskreisen geht man davon aus, dass das E10-Debakel längst eingepreist ist. „Wenn wir so weitermachen, werden wir die Quote nicht erreichen“, sagte der Leiter des deutschen Shell-Tankstellengeschäftes, Jörg Wienke.
Daran hat der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) jedoch starke Zweifel. Strafzahlungen seien sehr unwahrscheinlich, auch wenn die Erfüllung der Biokraftstoffquote nicht über den neuen Kraftstoff E10 gelänge. Um die Gesamtquote in Höhe von 6,25 Prozent zu erreichen, gibt es nach Angaben des Verbands alternative Wege: Die Erdölunternehmen können neben der Beimischung von Bioethanol oder Biodiesel auch den Verkauf von reinem Biokraftstoff nutzen, um die gesetzlich vorgeschriebene Gesamtquote zu erfüllen. So hätten Biokraftstoffe zum Beispiel im Jahr 2007 Anteile von über sieben Prozent am gesamten Kraftstoffmarkt erreicht – und das ohne E10.
Zur Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Gesamtquote gebe es die Möglichkeit des so genannten Quotenhandels. Dabei kauft die Mineralölindustrie von den Biokraftstoffproduzenten Rechte an reinem Biodiesel (B100) auf, den die Biokraftstoffhersteller schon verkauft haben. Mit diesen Rechten erfüllt die Mineralölindustrie dann die Quote. Zum Beispiel ist im Jahr 2010 der gesamte Absatz von B100 im Quotenhandel verwendet worden. „Wichtig zu wissen ist, dass der zunächst steuerbegünstigte reine Biodiesel später voll nachversteuert wird“, sagte Baumann. Der über einen vorläufigen Steuernachlass entstehende Preisunterschied zwischen Biodiesel und fossilem Diesel, der dem Kunden den Anreiz zum Kauf von B100 bietet, werde dadurch im Nachhinein ausgeglichen. „Dem Finanzminister entstehen keinerlei Steuerausfälle bei der Anrechnung von reinem Biodiesel auf die Quote.
Um die Nachfrage nach E10 anzukurbeln, fordert die Mineralölwirtschaft auch eine Steuerermäßigung für E10. Das Bundesfinanzministerium sieht jedoch keine Notwendigkeit dafür. „Soweit ich das wahrgenommen habe, ist ja die mangelnde Akzeptanz des E10-Benzins, wenn sie überhaupt besteht, nicht auf den Preis an der Zapfsäule zurückzuführen, sondern auf andere Vorbehalte“, sagte ein Ministeriumssprecher Ende März in Berlin. „Insofern sehe ich nicht recht den Sinn dieser Forderung.“ Die Mineralölbranche verlangte eine „faire“ Besteuerung. Der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands, Klaus Picard, sagte der Bild-Zeitung: „Entsprechend des geringeren Energiegehalts fordert die Mineralölindustrie eine Senkung der Energiesteuer für E10 um zwei Cent.“
06.04.2011
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